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Kritik von Martin Zopick zu 'Life Is Sweet'

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Kritik von Martin Zopick
veröffentlicht am 05.09.2017
80%
Den Titel seines Soziogramms hat Regisseur Mike Leigh wohl eher ironisch gemeint. Hier ist es wieder ein Plot, in dem lauter skurrile Figuren auftreten. Jeder für sich ein schrulliger Kauz. Und das zeichnet seine Filme aus: die Typen sind so klar neben der Bereifung, dass wir erst den Kopf schütteln, dann schmunzeln und am Ende, nachdem wir Einblicke in ihre Psyche erhalten haben, nachdenklich werden und beeindruckt sind. Der Humor ist nicht ausgesprochen schwarz aber durchaus bissig.
Vom Ehepaar Andy (Jim Broadbent) und Wendy (Alison Steadman) ist sie noch die vernünftigere. Andy hingegen ist zwar uniformmäßig ein blendend weißer Koch, aber ansonsten ein Träumer, der sich durch Freunde wie Patsy (Stephen Rea) in die Bredouille bringen lässt. Mit Aubrey (Timothy Spall) dem Freund des Hauses, beginnt die Parade der Kaputtniks und Loser. Seine Restaurant Eröffnung (Name 'Regret Rich', also 'Bedauern wir die Reichen') streift das Groteske. Ohne Gäste und nur mit der Küchenhilfe Paula (sehr eindrucksvoll Moya Brady) ertrinkt er im Suff. Ähnlich ergeht es Andy mit Patsy. In Richtung tragische Komik kommt die Tochter Nicola (ganz groß Jane Horrocks) daher. Sie leidet unter Bulimie und verquasten Ideen von Karl Marx. Zudem pflegt die arbeitsscheue Feministin mit ihrem Freund (David Thewlis) ein leicht abartiges Sexualverhalten. Die Aussprache mit Mutter Wendy ist bewegend.
Angefangen hat alles mit dem Kauf eines schrottreifen Imbiss Wagens. Da ist noch Komik der dominierende Aspekt. Doch gerät die Handlung zunehmend tragischer. Nur die übergroße Empathie von Mike Leigh für seine Figuren macht das Drama dann doch noch angenehm. Streng nach dem Motto der Familie 'Nicht aufgeben!'.
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