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Kritik von Walter H. Greiner zu 'Ludwig II'

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Kritik von Walter H. Greiner
veröffentlicht am 01.01.2013
95%
Um König Ludwig II. von Bayern ranken sich viele Legenden. Nicht nur die Umstände seines Todes im Starnberger See sind und bleiben rätselhaft, auch sein Charakter, seine Beziehungen, sein Geisteszustand und die späteren Jahre seiner Regentschaft werden von Historikern höchst unterschiedlich beschrieben und bewertet. Den einen gilt er als geisteskranker Wahnsinniger, der mit seiner Verschwendungssucht - nicht nur in Bezug auf seine Märchenschlösser - den bayerischen Staat zu ruinieren drohte, die Amtsgeschäfte vernachlässigte, deshalb schließlich entmündigt wurde und im Starnberger See Selbstmord beging. In den Augen Anderer war er ein genialer Regent und Kunstmäzen, der Richard Wagners Werk erst möglich machte; der Bayern trotz zweier Kriegsbeteiligungen, die er mit verzweifelten Bemühungen nicht verhindern konnte, wirtschaftlich und sozial zur Blüte brachte, und der seine Amtsgeschäfte trotz unbestreitbarer, persönlicher Schrullen auch in den späten Jahren seiner Regentschaft penibel und mit hohem Sachverstand führte, bis er einer politischen Intrige samt mühsam vertuschtem Meuchelmord zum Opfer fiel.

Die historische Wahrheit liegt vermutlich irgendwo zwischen diesen Polen. Luchino Visconti erzählt in seinem Film eine mögliche Variante, wie es gewesen sein könnte - ohne den Zuschauer in all den offen gebliebenen Fragen festzulegen. Es ist das ganz besondere Verdienst dieses Films, die Geschichte Luwig II. mit historischer Genauigkeit in der ganzen Komplexität und Widersprüchlichkeit der beteiligten Personen zu schildern und dabei konsequent Abstand von allzu vereinfachenden Interpretationen zu halten. Trotzdem lässt der Film den Zuschauer nicht ratlos im Ungefähren stehen; man wird geradezu magisch in eine fremde, versunkene Welt hineingezogen, wozu eine durchweg glänzende Leistung der Darsteller und der Zauber der Originalschauplätze das ihre tun. Nicht kühl langweilende Distanz, sondern emotionales Miterleben der inneren Zerrissenheit Ludwigs und seiner Umgebung zwischen Pflichtgefühl und Leidenschaft, zwischen Realismus und Ideal, zwischen Treue und Verrat hält Ausgang und Bewertung all dessen offen. Am Ende des fast vierstündigen - und trotzdem von Längen weitgehend freien - Epos darf König Ludwig bleiben, was er eigenem Bekunden zufolge war und auch sein wollte: sich selbst und der Welt ein Rätsel.

Herausragend natürlich Helmut Berger als Hauptdarsteller, der die ganze Bandbreite vom viel zu früh in die Regentschaft gezwungenen, schüchternen Jüngling bis hin zum vereinsamten, verbitterten, an der Welt und sich selbst verzweifelnden König der späten Jahre virtuos und glaubhaft spielt. Trevor Howard als selbstverliebter, rücksichtsloser und doch auch wieder faszinierend lebendiger, charmanter Richard Wagner macht bravourös die heillosen Konflikte sichtbar, in die der väterliche Freund seinen noch recht naiven, jugendlichen König und Verehrer manövrierte - und Silvana Mangano als Cosima von Bülow assistiert ihm dabei mit kühl berechnendem Charme. Gert Fröbe als Pater Hoffmann vertritt mit seinem bewährt ausdrucksstarken Spiel den Part der Kirche, die mit ihrem aufgesetzten Moralanspruch Ludwigs Position nicht eben leichter machte. Ein besonderes Highlight ist Romy Schneider als Kaiserin Elisabeth von Österreich: facettenreich und schlillernd quirlig macht die Cousine und treue Freundin des Königs manche Seiten seines Wesens besser verständlich, weil sie ihm in mancher Beziehung ähnlich ist - ihn aber auch kräftig zu manipulieren versucht. Ein wenig überdreht wirkte auf mich Volker Bohnet als Josef Kainz: die Zwiespältigkeit und verzweifelte Faszination dieses kurzen, aber intensiven Freundschaftsversuchs des Königs erschließt sich dem Zuschauer kaum, die betreffenden Szenen wirken nur noch bizarr. Alle anderen Mitwirkenden jedoch, ohne sie noch im Einzelnen zu benennen, spielen glaubhaft und authentisch.

Der Film von 1972 übertrifft bei weitem Helmut Käutners - durchaus nicht schlechte - alte Verfilmung von 1955, die in ihren anderthalb Stunden Länge doch sehr an der Oberfläche kleben bleibt und vieles Unklare als klar verkauft. Aber auch die aktuelle, neue Verfilmung des Stoffs, die demnächst in die Kinos kommen soll, wird es schwer haben, mit Viscontis Meisterwerk zu konkurrieren.

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