Indien ist nicht für Megafilme bekannt. Deshalb ist es auch um so erstaunlicher, dass gerade solch ein Film bei den
Oscars 2009 richtig abgeräumt hat. Als 81. Film, der den Oscar für den "Besten Film" gewonnen hat, wird er in die Geschichte eingehen. Hat er es verdient? Allemal. Er ist vielleicht nicht der beste Film aller Zeiten, aber der beste des Jahres 2008 auf jeden Fall. Und so verwunderlich ist es auch nicht, dass ein Film aus Indien gewonnen hat, denn immerhin ist mit
Danny Boyle ja auch ein waschechter Regisseur ans Werk gegangen. Trotzdem ist "Slumdig Millionär" kein gewöhnlicher Hollywoodfilm.
Storyline: Jamal Malik (Dev Patel) ist als Vollwaise in den Slums von Mumbai aufgewachsen und nur noch eine Frage von dem Gewinn von 20 Millionen Rupien entfernt. Er hat in der TV-Show "Wer wird Millionär?" bereits 14 Fragen beantwortet, und das mit Leichtigkeit. In Schnitten sieht man immer wieder, wie Jamal verdächtigt wird zu betrügen, und so lange gefoltert wird, bis er gesteht. Zumindest wollen dies die Polizisten. Doch Jamal bleibt bei seiner Geschichte. Er weiß die Antworten auf die Fragen, weil er sie in seiner beschwerlichen Kindheit schon einmal gesehen oder gehört hat. So gibt es zu jeder Frage eine Geschichte, immer wieder geht es dabei um Maliks Jugendliebe Latika (Freida Pinto) und seinen Bruder Salim (Madhur Mittal).
Danny Boyle setzt bei seinem Film auf bunte Farben, eine herzzerreißende Story, klasse Darsteller und wunderschöne Kulissen. Angefangen bei den Farben, die in Indien ja praktisch dazugehören, bunte Gewänder und Tücher. Doch auch in den Slums geht es bunt her, Boyle gibt den natürlichen Farben mehr Kraft, die Bilder sind kräftig in der Farbe und haben irgendwie einen besonderen Touch. Dazu kommen die wunderbaren Kulissen. Boyle drehte an den echten Schauplätzen, das heißt, dass wir die wahren Slums und das wahre Indien sehen, und "wahr" heißt nicht nur, dass der Film an den Orten gedreht wurde und die jeweiligen Bereiche vorher abgesperrt wurden. Nein, Boyle lief durch das wahre und hektische Indien, was dem Film zusätzlich noch mehr Charme gibt.
Die Story an sich ist wunderbar, herzzerreißend. Man sieht den kleinen Jamal samt Bruder in ihrer beschwerlichen Kindheit, zwischendurch sieht man immer wieder den erwachsenen Jamal, wie er kurz vor der Erfüllung seiner Wünsche ist. Man sieht seinen Bruder der unglücklich ist, weil er sich einer Gang angeschlossen hat nur um zu überleben. Man sieht Jamals Jugendliebe, die einen Mann geheiratet hat den sie nicht liebt. Nur Jamal hat für seine Freiheit und seine Träume gekämpft und sich nicht angehängt. Auch in den Episoden in denen man die Antworten auf die jeweiligen Fragen geliefert bekommt kann man dies schon sehen. Wie die drei um ihr Leben kämpfen und durch Mumbai streifen, wie sie das Leid und das Elend sehen. Der Film zeigt, wie schwer es in den Slums ist und was schon die kleinen erleben müssen. Er zeigt es auf wunderbare und gleichzeitig erschreckende Weiße. Mit einem Ende à la Hollywood, das gleichzeitig aber gar nicht nach den Hollywood-Regeln spielt.
Auch die Darsteller sind wunderbar. Hier spielen echte Kinder aus den Slums. Sie spielen wirklich klasse und überzeugend, obwohl sie nicht die mega getrimmten Hollywoodkinder sind. Durch die "Echtheit" des Filmes und auch das die Kinder aus den Slums kommen macht alles so echt - was bei Filmen wirklich ganz und gar nicht natürlich ist. Die älteren Schauspieler sind hingegen schon etwas erfahrener, sie spielen aber genauso gut und überzeugend. Es ist wirklich der Wahnsinn, wie klasse die Schauspieler sind, und zwar jeder von ihnen, hier gibt es keine noch so kleine Rolle, die falsch besetzt wurde. Am meisten erstaunt allerdings doch die fantastische Darstellung der Kinder. Aber auch wenn keiner der Darsteller für den Oscar nominiert war, was wirklich verwunderlich ist, denn sie waren besser als viele nominierten Darsteller, wäre dies nicht nötig gewesen. Jeder hat eine fantastische Leistung abgelegt die sich im Gedächtnis eingenistet hat.
Fazit: Ein wunderbarer Film, der echte Kulissen zeigt und auch das echte Leben, natürlich als hollywoodgerechten Film verschnürt, auch wenn er nicht wirklich einer ist. Aber genau das ist der Charme des Films. Mit perfekten Darstellern und einer wunderschönen und herzzerreißenden Geschichte, die sofort ans Herz geht.