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Kritik von Jutta Hannecker zu 'Der Solist'

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Partner von Entania
Kritik von Jutta Hannecker
veröffentlicht am 17.12.2009
85%
Casting bezeichnet den Vorgang, bei dem die Besetzung der Rollen eines Films oder eines anderen Werks mit Schauspielern festgelegt werden.
Für seine Ideale arbeitet Steve Lopez (Robert Downey jr.) schon lange nicht mehr. Desillusioniert und von privaten Rückschlägen gebeutelt, führt er seinen Job als Kolumnist für die Los Angeles Times lediglich zum Geldverdienen aus. Auf der Suche nach der nächsten Geschichte begegnet ihm bei seinen Streifzügen durch die Stadt der Engel einer der 90.000 gefallenen Engel, die hier auf der Straße leben. Der paranoide, schizophrene und musikalisch hochbegabte Obdachlose Nathaniel Ayers (Jamie Foxx) steht vor einer in Bronze gegossenen Beethoven-Statue und spielt seinem stummen Zuhörer hingebungsvoll auf einer Geige mit nur zwei Saiten Fragmente aus dessen Kompositionen, die man mit zwei Saiten bewältigen kann, vor. Die ganze Situation wirkt beinahe surreal. Brav gescheitelt, aber rausgeputzt wie ein Zirkuspferd, erzählt Ayers Lopez so ganz beiläufig, dass er an der renommierten Juilliard School in New York studiert hatte. Zunächst nur als Punkt auf Lopez Strichliste, landet die Geschichte über Nathaniel auf die Titelseite der Los Angeles Times, sie bewegt die Leser zutiefst und lässt Lopez wieder in die für ihn richtige Spur gleiten.
Der Film des Briten Joe Wright ("Abbitte"), der auf einer authentischen Geschichte beruht, basiert auf dem Buch des Journalisten Steve Lopez. Aus seiner erfolgreichen Kolumne über diesen hochbegabten Musiker und die außergewöhnliche Männerfreundschaft, die durch die Recherche entstanden ist, konnte ein Buch entstehen. Wer jetzt eine Schmonzette à la "Klang des Herzens" erwartet, täuscht sich glücklicherweise. Wright, der mit einer fast ausschließlich britischen Crew nach Los Angeles gereist war, zeigt zum Einen, wie dicht Genie und Wahnsinn tatsächlich zusammenliegen können. Er zeigt, dass Schizophrenie eine schwere Krankheit des Gehirns ist und dass diese nicht durch ein falsch ausgelebtes Helfersyndrom geheilt werden kann. Sie macht deutlich, dass man sich als vermeintlicher Retter selber in Gefahr bringen kann. Denn der stark erkrankte Nathaniel hat extreme Ängste, die ihn bei falsch angesetzter Fürsorge in eine Notwehrsituation treiben.
Zum Anderen entschleiert Wright die Glitzerwelt Los Angeles. Durch das grobmaschige soziale Netz fällt man in dieser Stadt sehr schnell. Gecastet wurden Obdachlose, die im Slum Skid Row, einer ausgeprägten "Bad Neighbourhood", leben, um den Film möglichst authentisch wirken zu lassen. Die Habseligkeiten, die diese Menschen in Einkaufswagen verstauen und transportieren, wirken ebenfalls nicht wie von einer Stylistin zusammengestellt. Man könnte fast meinen, dass es sich da tatsächlich um das Eigentum dieser Homeless-People handelt. Sicherlich wollte Wright aufrütteln, was ihm aber trotz der Authentizität der Protagonisten und des Sets nur oberflächlich gelungen ist. Die Auswahl der Musik ist allerdings eine Glanzleistung. Die meist klassische Musik untermalt perfekt die gewaltigen Kamerafahrten von Seamus McGarvey, der bereits für die Bilder in "Abbitte" verantwortlich war. Die bedrückende Geschichte der Beteiligten rückt durch diese nahezu perfektionistische Bild- und Tonkomposition somit aber leicht ins Nebensächliche.
Ein weiteres Highlight dieses Films sind zweifelsohne die Schauspieler. Man kann immer wieder von Glück sprechen, dass der vielseitige Robert Downey jr. seine Alkoholsucht überwunden hat und somit uns Kinozuschauer weiterhin mit seiner Kunst begeistern kann. Mit der Rolle des Journalisten Steve Lopez verlässt er das komödiantische Terrain ("Tropic Thunder"). Seine Darbietung in der Redaktion der Los Angeles Times sowie im Milieu der Obdachlosen ist äußerst glaubhaft. Ganz besonders beeindruckend ist allerdings seine Mimik, wenn er der Musik lauscht, die Nathaniel der defekten Violine - später im Film dem intakten Cello - entlockt. Jamie Foxx, der für seine Rolle als Ray Charles den Oscar erhielt, spielt auch diese Rolle des sensiblen Musikers, über dem stets - wie bei einem angeschossenen Tier - die von ihm ausgehende Gefahr schwebt, abermals sehr gut. Die Intensität, mit der er Nathaniel in die Welt von Beethovens Musik eintauchen lässt, ist großartig. In solchen Momenten lässt er ihn und die Zuschauer den Absturz vom einstigen Wunderkind zum "Bodensatz der Gesellschaft" vergessen.
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