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Kritik von Björn Schneider zu 'Hugo Cabret'

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Partner von Entania
Kritik von Björn Schneider
veröffentlicht am 22.02.2012
80%
Mit "Hugo Cabret" betritt Altmeister Martin Scorsese filmisches Neuland. "Hugo Cabret" ist sein erster Märchenfilm und sein erstes Werk überhaupt, das als 3D-Film in die Kinos kommt. Für ihn ist "Hugo Cabret" eine Herzensangelegenheit. Im Jahr 2007 erschien der grafische Roman "Die Entdeckung des Hugo Cabret" von Brian Selznick und schon kurz darauf erwarb Scorsese die Filmrechte an dem Buch. Er war besessen von der Idee, die märchenhafte Story um den Pariser Waisenjungen Hugo Cabret mit den neuesten filmischen und technischen Mitteln auf die große Leinwand zu bringen. Und so verfilmte Scorsese "Hugo Cabret" im sogenannten Stereoskopie-Verfahren, welches erstmalig 2009 in James Camerons "Avatar" zum Einsatz kam. Mit gelungenem Ergebnis: "Hugo Cabret" ist eine liebe- und phantasievolle Hommage an die Magie des Kinos und die Frühzeit des Films geworden.

Paris, 1931: In einem Bahnhof lebt der Junge Hugo Cabret (Asa Butterfield), der sich in den Zwischenwänden des Gebäudes versteckt hält, nachdem sein Vater (Jude Law) bei einem Brand ums Leben gekommen ist. Der Vater hinterlässt Hugo eine mechanische Aufziehpuppe, einen Automaton, in dem Hugo eine letzte Botschaft seines Vaters vermutet. Doch der Schlüssel zum herzförmigen Schloss fehlt, was das Aufziehen der Maschine unmöglich macht. Auf der Suche nach dem Schlüssel erhält er unerwartete Hilfe von der aufgeweckten Isabelle (Chloë Grace Moretz), der Patentochter des mysteriösen Spielwarenhändlers Georges Méliès (Ben Kingsley). Stets auf der Flucht vor dem hinkenden Bahnhofaufseher (Sacha Baron Cohen), versuchen die Beiden, das Geheimnis um den Maschinenmann zu lösen.

Mit "Hugo Cabret" verneigt sich Regisseur Scorsese vor der Magie des Kinos und liefert zugleich eine Hommage an den Filmpionier Georges Méliès (1861-1938), der als einer der ersten überhaupt die Möglichkeiten des bewegten Bildes erkundete. Sein Science Fiction-Film "Die Reise zum Mond" zählt zu den größten Klassikern dieser Frühphase. Die bekannteste Szene - eine Rakete fliegt in das Auge des Erdmondes und lässt dieses tränen - ist zu einer Ikone der Filmgeschichte geworden. Dieses berühmte Bild greift Scorsese in "Hugo Cabret" wieder auf und startet mit dessen Auftreten seine Liebeserklärung an Méliès, die Brüder Lumière und Co. Die zweite Filmhälfte steht demnach ganz im Zeichen dieser ersten Filme und Gehversuche eines neuen Mediums. Scorsese hat seine helle Freude daran, dem Kinozuschauer die Entstehung und Entwicklung des Films zu präsentieren, indem er einige der wichtigsten und berühmtesten Filme und Szenen jener Tage zeigt - und das mit Hilfe modernster 3D-Technik.

Scorsese nutzt bewusst das moderne 3D-Verfahren, um seine Geschichte zu erzählen. "Hugo Cabret" verknüpft inhaltlich diese Frühphase des Films mit dem gegenwärtigen Höhepunkt der Entwicklung des Kinos in Gestalt der 3D-Technik. Die technische Umsetzung bei "Hugo Cabret" ist tadellos - allein die Szene vom entgleisten Zug, der durch die Bahnhofshallen rast, versetzt einen ins Staunen. An dieser Szene wird Scorseses Absicht deutlich: er möchte den Zuschauer an die Frühzeit des Kinos mit den Mitteln des neuen 3D-Zeitalters erinnern. Die besagte Szene: eine Verneigung vor dem Film "Die Ankunft eines Zuges auf dem Bahnhof in La Ciotat" der Brüder Lumière. Jedoch lässt sich vermuten, dass der Film auch ohne dieses Verfahren seine gewünschte Wirkung entfaltet hätte. Scorsese ging es letztlich um die Gegenüberstellung dieser Phasen der Filmgeschichte sowie der Entwicklung der Technik. In dieser Hinsicht erweist sich Scorseses 3D-Einsatz als zweckmäßig und wirkungsvoll. Bezogen auf die visuelle Wirkung des Films hätte er diese jedoch nicht benötigt, da die räumliche Tiefe nur in einigen wenigen Szenen wirklich zur Geltung kommt.

Verschreibt sich Scorsese in der zweiten Hälfte eben jenen ersten Etappen des Films, als die Bilder laufen lernten, so lässt er sich in der ersten Stunde Zeit und Raum für die Entwicklung seiner Hauptfiguren und rückt die Suche nach dem Geheimnis um den Maschinenmann in den Mittelpunkt. Asa Butterfield - der in fast jeder Szene zu sehen ist - liefert als Hugo Cabret eine großartige Vorstellung und auch Ben Kingsley als Georges Méliès und Chloë Grace Moretz als dessen Patentochter verleihen ihre Figuren Ausdruck und Authentizität. Scorsese muss sich einzig vorwerfen lassen, dass er erst reichlich spät zum eigentlichen Thema des Filmes kommt und viele Figuren und Handlungsstränge (das kurze Auftreten von Hugos Onkel, die Figur des Bahnhofsaufsehers, das Blumenmädchen Lisette) der ersten Filmstunde einzig als Mittel zum Zweck zu verstehen sind und den Film unnötig in die Länge ziehen. Alles in allem ist dieser Aspekt aufgrund der großartigen zweiten Hälfte aber zu vernachlässigen, an der sich - dank der zahlreichen Original-Ausschnitte - vor allem Cineasten und Filmfans nicht satt sehen können.

"Hugo Cabret" ist eine zauberhafte Liebeserklärung an das Kino und die Geschichte des Films. Scorseses Liebe zum Medium geht dank des Detailreichtums und der überzeugenden Darsteller auf den Zuschauer über.

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