Als Making-Of bezeichnet man eine Reportage, in der gezeigt wird, wie ein Film entstanden ist. Normalerweise sind Interviews mit Schauspielern und/oder dem Regisseur / Autor / Produzenten zu sehen. Gezeigt werden solche Making-Ofs meistens zu Werbezwecken zum Kinostart des Films oder auch als Bonusmaterial auf DVDs.
Wie das "
Making of" dem vom Film beeindruckten Zuschauer verrät, ist "Saint Jacques...Pilgern auf Französische" kein Produkt von der Stange. Vielmehr haben sich die einsatzfreudigen Laiendarsteller mitten hineingestürzt ins Leben, das in diesem Fall kein langer, ruhiger Fluss ist sondern eher ein langer, nicht ganz so ruhiger Weg. Endziel ist Santiago de Compostela, ein katholisches Heiligtum, dem die längst säkularisierten Hauptdarsteller allerdings nicht gerade freiwillig oder gar aus religiöser Leidenschaft entgegenstreben.
Die drei seit Jahren zerstrittenen Geschwister Clara, Claude und Pierre - eine desillusionierte Lehrerin, ein Langzeit-Alkoholiker sowie ein von Scheidung bedrohtes Arbeitstier - treibt vielmehr das pure Kalkül. Gerade ist ihre Mutter gestorben, deren hinterlassenes, recht ansehnliches Vermögen den erwachsenen Kindern allerdings nicht ohne Gegenleistung in den Schoß fallen soll. Um das Erbe antreten zu können, müssen sie innerhalb von fünf Monaten gleichsam gemeinsam ans Ende der Welt pilgern, denn der Ort Finis terrae liegt nur ein paar Kilometer hinter dem eigentlichen Ziel Santiago.
Mürrisch und bemüht, die lästige Angelegenheit möglichst schnell hinter sich zu bringen und in den gewohnten Alltag zurückzukehren, machen sich die Geschwister auf zu einem Marsch, der ihnen neben Fersenblasen, qualmenden Socken und dem einen oder anderen Streit auch eine sich immer mehr vertiefende Gemeinschaft mit ihrer keineswegs homogenen Pilgergruppe einbringt. Zusammen übernachten sie in überfüllten Herbergen oder machen es sich nachts so gut wie möglich in Schulen gemütlich. Zeitweise haben sie mit problematischen Mitpilgern, Übergepäck und strömenden Regen zu kämpfen. Dennoch nähern sich Claude, Pierre und die resolute Clara, die unterwegs ihrem jungen muslimischen "Mitläufer" Ramzi das Schreiben beibringt, zaghaft aneinander an.
Der Regisseurin Coline Serreau gelingt mit "Saint Jacques...Pilgern auf Französisch" ein glaubwürdiger Film, der von der Unverbrauchtheit und Frische seiner Darsteller lebt. Vielleicht möchte man nach dem Kinobesuch nicht unbedingt à la Hape Kerkeling die Wanderstiefel schnüren. Dennoch identifiziert man sich unwillkürlich mit diesem erwachsenen Trio infernale, das es zumindest schafft, wachsende Sympathiepunkte für sich zu gewinnen. Ein liebens- und sehenswerter Film mit Herz und Seele, der seine Zuschauer durchaus beeindruckt zurücklässt.