Neben dem
vierten "
Indiana Jones" gehörte das neue "Batman"-Abenteuer wohl zu den Filmen des Jahres, auf die man am meisten gespannt sein durfte und zwar gleich aus mehreren Gründen:
Zum einen war Regisseur
Christopher Nolan ("
Memento") bereits mit "
Batman Begins" ein gelungener Neustart der "Batman"-Reihe geglückt. Nachdem Anfang der 90er Jahre
Tim Burton mit "
Batman" und "
Batman Returns" den Hype um die Fledermaus auf der Leinwand neu belebte, degradierte
Joel Schumacher den Fledermausmann mit "
Batman Forever" und "
Batman & Robin" zur knallbunten Witzfigur, fernab des bekannten "Batman"-Universums.
"Batman Begins" zeigte bereits, daß es auch durchaus niveauvolle Comic-Verfilmungen geben kann, die mit vielschichtigen Charakteren und einer komplexen Story glänzen können.
Zum anderen durfte man insbesondere auf die Leistung des kürzlich leider verstorbenen
Heath Ledger gespannt sein. Bereits in "Batman" spielte
Jack Nicholson die Rolle des Jokers derart intensiv, daß er damit nicht nur den damaligen Batman-Darsteller
Michael Keaton an die Wand spielte, sondern den diabolischen Verbrecher zu einer seiner Paraderollen werden ließ. Daß es Heath Ledger zumindest schwer haben würde, dem Spiel Nicholsons ebenbürtig zu sein, lag auf der Hand.
Um es kurz zu machen: Christopher Nolan stellt mit "The Dark Knight" seinen Vorgänger "Batman Begins" in den Schatten und Heath Ledger brilliert in einer seiner letzten Rollen.
Beinahe unfaßbar, wie es Nolan gelingt, eine der besten Comic-Verfilmungen zu zaubern, obwohl man manchmal vergißt, daß "Batman" auf einem Comic basiert. Gotham hier ist keine futuristisch-düstere Gebäudeschlucht wie in Burtons Filmen, sondern eine US-Metropole, die genau so gut New York hätte heißen können. Nicht allein deshalb wirkt "The Dark Knight" alles andere als realitätsfremd. Handgemachte Action statt Special Effects aus dem Computer lautet die Devise, und das zahlt sich aus.
Doch "The Dark Knight" ist kein gewöhnliches Mainstream-Action-Kino wie bei den Schumacher-Filmen, sondern Schauspielerkino mit wendungsreichem Plot.
Während sich Batman (gewohnt stark:
Christian Bale) allmählich in den Hintergrund zurückzieht und dem neuen Staatsanwalt Harvey Dent (
Aaron Eckhart) die Presse überläßt, ergreift ein durchtriebener Verbrecher, der sich der "Joker" nennt, die Macht, spielt Gangsterbanden gegeneinander aus und bringt das Chaos über Gotham.
Ledger legt die Rolleninterpretation weitaus ernster und relitätsnäher an als seinerzeit Nicholson. War Nicholson ein Joker, über den man tatsächlich manchmal schmunzeln mußte, ist Ledger ein Krimineller zum fürchten: Irre, unberechenbar, psychotisch.
Der knapp zweieinhalb Stunden laufende Film vergeht im Fluge und ist ein wahres Dauerfeuer an Innovation, Tempo und Spannung.
Allein die knapp zehnminütige Eröffnungssequenz ist schon ein Highlight des Abenteuers und das Ende, das mit einer düsteren Wendung bereits die Wege zu einem weiteren "Batman" eröffnet, ist ebenso gelungen wie der gesamte Film.
Dieser Thriller ist das bisher beste Movie der Kinosaison 2008 und mehr als nur empfehlenswert. Es bleibt zu hoffen, daß Nolan seinen Anspruch beibehält, denn dieses Spektakel zu toppen dürfte fast unmöglich werden.