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Kritik von Carsten Rothkegel zu 'The Dark Knight'

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Kritik von Carsten Rothkegel
veröffentlicht am 17.03.2016
75%
Lässt sich aus Batman mehr machen als ein Fledermausmann, der mit coolen Gadgets hantiert und böse Leute verprügelt? In der öffentlichen Meinung ist Christopher Nolans "The Dark Knight" weit mehr als nur ein spannender Actionstreifen. Der Film ist düster, tragisch und er definierte eine desillusionierte 9/11-Generation. Aber wer willens ist, "The Dark Knight" den Rang eines großen, ja wichtigen Films zuzuschreiben, muss sich auch klar machen, wofür dieser Film eigentlich steht. Und seine Botschaft ist wohl noch düsterer, als es zunächst aussieht.

Im vorigen "Batman Begins" begann der superreiche Bruce Wayne (Christian Bale), in einem Fledermauskostüm versteckt, Kriminelle zu bekämpfen - als eine Art Vergeltung für den Tod seiner Eltern, die von einem Ganoven ermordet wurden, als er ein Kind war. Die Polizei in Person von Commissioner Gordon (Gary Oldman) bittet "Batman" sogar regelmäßig um Hilfe. Es ist ein Merkmal vieler Superhelden, dass sie inkognito und mithilfe ihrer übernatürlichen Kräfte (oder ihres enormen Vermögens, wie in diesem Fall) agieren und damit nicht nur die Polizei, sondern das ganze Rechtswesen aufheben. Dieser Eskapismus ist auf seine Weise romantisch. Man könnte Christopher Nolan mit den Worten seiner Figur, des Jokers, fragen: "Warum denn so ernst?"

Der Joker, gespielt von Heath Ledger, ist anders als der witzige Gangster aus Jack Nicholsons Tagen; er ist die schiere Verkörperung von Chaos. Er handelt nicht einfach unmoralisch, sondern lehnt jedwede Ordnung ab. Er stiehlt Geld und verbrennt den Haufen, entführt Bruce Waynes Flamme Rachel (Maggie Gyllenhaal), arrangiert ein grausames soziales Experiment, und lockt den heroischen Bezirksstaatsanwalt Harvey Dent (Aaron Eckhart) auf die dunkle Seite.

Es ist deshalb richtig, den Joker als Terroristen zu sehen, weil der ganze Film einen "Krieg gegen den Terror" beschreibt. Unentschuldbare Finstermänner bedrohen unsere Gesellschaft in jeder Sekunde, also müssen außerordentliche Maßnahmen ergriffen werden. Und zu diesen Maßnahmen gehören Folter, das Belügen der Öffentlichkeit und massive Überwachung (Superhirn Lucius Fox, gespielt von Morgan Freeman, kann so gut wie jede Ecke von Gotham City überwachen). Nolan weiß sehr gut um die Zwielichtigkeit solcher Methoden und der ganze Film, bis hin zu den brillant gefilmten Actionsequenzen, vermittelt eine verzweifelte Dringlichkeit. Die Fragen nach Demokratie, Freiheit und Ethik, die uns nach dem 11. September plagten, werden im Film nahezu greifbar gemacht. Ja, "The Dark Knight" ist noch mehr als ein technisches Meisterwerk und ein verstörender, durchgeknallter Abschiedsbrief von Heath Ledger. Es ist eine klarsichtige Allegorie auf Konflikte, die uns bis heute beschäftigen ... aber ...!

Gewaltherrschaft funktioniert. Wir, die breite Öffentlichkeit, sind viel zu einfältig, um über die eklatantesten Gesetzesbrüche aufgeklärt zu werden (solange sie von "den Guten" begangen werden). Totale Überwachung ist zwar keine schöne Angelegenheit, aber unter Umständen muss man sie nunmal anwenden - solange sie in den richtigen Händen liegt. Die Sache mit der Demokratie ist aber, dass niemandem, egal wie fähig und ehrenwert, für irgendeinen Zeitraum zu große Macht zugestanden werden sollte. "Aus großer Macht erfolgt große Verantwortung", wie es in einer anderen großen Superheldensaga heißt? Nein, denn "absolute Macht korrumpiert absolut". Und ja, Rachel weist darauf hin, dass die römische Republik unterging, als sie ihrem letzten Diktator Caesar zu viel Macht einräumte. Aber in diesem Fall wird eine Welt propagiert, in der es nur die Alternative zwischen einem Diktator und einer überwältigenden Barbarenhorde gibt.

Harvey Dent repräsentiert einen legalen und transparenten Weg, das Übel in Schach zu halten, aber er selbst wäre gern ein Superheld. Er ist der White Knight, der weiße Ritter in Abgrenzung zu Bruce Waynes Alter Ego, dem Dark Knight, aber eigentlich sind beide nur zwei Seiten derselben Medallie. "Man stirbt als Held oder lebt so lange, bis man selbst der Böse wird." - dieser Satz ist ebenso wahr für die Verwandlung von Harvey Dent zu Two-Face wie für Bruce Wayne, der zu Batman wurde.

Und wir bejubeln Batman, denn er erledigt die Drecksarbeit. Wer war der andere große Held des Jahres 2008? Barack Obama, der Held, den wir verdienen. Solange "der Gute", ein Symbol der Hoffnung, die üblen Taten vollstreckt, haben wir das Gefühl, sie seien notwendig. Das Ende von "The Dark Knight" erinnert auf merkwürdige Weise an Jack Nicholsons Rede in "Eine Frage der Ehre". Nicholson spielt einen unerbittlichen Colonel, der über Leichen geht, um die Stabilität zu wahren, und der ruft: "Sie können die Wahrheit doch gar nicht vertragen! [...] Tief in Ihrem Inneren aber - das sagen Sie nicht auf Partys - wollen Sie, dass ich an dieser Mauer stehe. Sie brauchen mich an dieser Mauer."

Amerikanische Filme handeln oft von tapferen Kerlen, die Probleme lösen, indem sie ein paar Faustschläge an böse Jungen verteilen. Das macht Actionfilme cool. "The Dark Knight" will glauben machen, dass hier Themen wie Selbstjustiz hinterfragt würden, während der ernste Ton doch nur noch mehr dazu beiträgt, dem Protagonisten, der ebenso gegen das Verbrechen wie gegen Recht und Ordnung kämpft, ein Denkmal zu errichten.

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