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Kritik von Alexander "Heinz" Jachmann zu 'Das Wunder von Bern'

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Das Wunder von Bern
Poster zu "Das Wunder von Bern"Gewinner Deutscher FilmpreisKinostart Deutschland: 16.10.2003

Drama, Sport

Deutschland 2003, ca. 117 min.

FSK: ab 6, € 7,3 Mio. Budget
» Trailer
Kritik von Alexander "Heinz" Jachmann, veröffentlicht am 17.10.2003
Die Reise der deutschen Fußballnationalmannschaft im Sommer 1954 in die schweizer Alpen wird zu einem der ersten Jubelschreie Nachkriegsdeutschlands. Nicht nur, weil der Gewinn der Weltmeisterschaft so unerwartet war, sondern auch, weil es sonst wenig zu feiern gibt, ist das 3:2 gegen Ungarn etwas ganz Besonderes. Ansonsten ist die Stimmung im Land eher trist, auch bei der Familie Lubanski.

Der kleine Matthias Lubanski (Louis Klamroth) ist ein großer Fußball-Fan, und der persönliche Taschenträger seines Idols Helmut Rahn (Sascha Göpel), der bei Rot-Weiß Essen spielt. Matthias ist aber nicht nur ein kleiner Freund, sondern auch ein Maskottchen für den "Boss", wie man Rahn in Fußballerkreisen nennt. Wie Rahn selbst sagt, kann er ohne den Kleinen im Stadion kein Spiel gewinnen.
Im Frühjahr 1954 erhält der "Boss" einen Brief vom DFB: er darf mit den besten Spielern der Nation zur Fußballweltmeisterschaft in die Schweiz fahren - natürlich ohne Matthias als Glücksbringer. Trotzdem freut sich der Kleine über die Nominierung seines Vorbildes, sogar mehr als über die Rückkehr seines Vaters (Peter Lohmeyer), der seit dem Krieg in einem russischen Gefangenenlager in Sibirien war. Eigentlich klar, denn Matthias hat seinen Vater noch nie gesehen, er ist für ihn ein völlig Fremder. Jahrelang hat die Mutter Christa (Johanna Gastdorf) die Familie alleine durchgebracht, und sogar eine gutgehende Kneipe aus der Erde gestampft. Der Vater macht es seiner Familie aber auch nicht gerade leicht: alles was er will ist preußische Disziplin - und damit macht er sich vor allem bei seinem ältesten Sohn Bruno (Mirko Lang) unbeliebt. Bruno hält seinen Vater für einen Nazi, während er selbst begeisterter Anhänger der kommunistischen Idee ist.
Als der Kriegsheimkehrer herausfindet, daß Matthias in der Kirche sogar eine Kerze für Helmut Rahn anzündet, und nicht, wie er sich erhofft hat, für ihn, bekommt Matthias Stubenarrest. Zum einen will er seinen Sprößling damit zum nachdenken bringen, wofür man die spirituelle Kraft der Kirche einsetzen sollte, zum anderen ist es wohl aber auch ein großer Teil Eifersucht auf den Fußballer, der jahrelang die Vaterfigur für Matthias war - und jetzt natürlich irgendwo auch Konkurrenz. Der Boss will natürlich gar keine Konkurrenz für den Vater sein, und er weiß, daß der es nicht gerade leicht hat, sich in der Heimat wieder einzuleben, und seine Rolle in Familie und Gesellschaft wiederzufinden. Das sagt er Matthias auch, daher versucht der Kleine, seinen Vater zu verstehen, und ihn so zu akzeptieren, wie er nun mal ist. Währenddessen schlägt sich das deutsche Team um Trainer Sepp Herberger (Peter Franke) und Kapitän Fritz Walter (Knut Hartwig) recht gut.

Man soll es kaum für möglich halten, aber "Das Wunder von Bern" ist - mit wenigen Abstrichen - ein nahezu perfekter Film, und das nicht nur für fußballverrückte Männer, sondern sicherlich auch für Frauen, die, um ein Zitat aus dem Film zu benutzen, ja der natürliche Feind des Fußballs sind.
Der Film hat viel zu bieten. Er ist ein Sportfilm, ein Drama, aber auch eine Komödie, und endlich weiß man auch, wer die Schraubstollen für Fußballschuhe erfunden hat. Witzig sind vor allem die verschiedenen Dialekte der Fußballer - es sind auch die meisten Sprachregionen der Republik vertreten. Etwas anders gewünscht (das Wort "negativ" will ich hier absichtlich nicht benutzen) wäre einerseits das Ende, das doch etwas schnell erzählt wird, andererseits wirken die digital in den Film kopierten Zuschauerränge bei näherem hinsehen doch etwas hölzern.
Es gibt keine schauspielerischen Ausfälle; insbesondere Louis Klamroth als Matthias und Peter Lohmeyer als sein Vater sind erwähnenswert. So weit ich das beurteilen kann, sind die Jungs in den Rollen der Fußballspieler gut ausgewählt, und sehen den Personen, deren Rollen sie spielen, recht ähnlich. Ich denke, das Casting muß unterhaltsam, aber auch schwierig gewesen sein, denn die Darsteller mussten ja nicht nur schauspielern, sondern auch Fußball spielen können - immerhin wurden die Spielzüge aus dem Jahr 1954 originalgetreu nachgespielt. Ganz ehrlich: "Das Wunder von Bern" ist ein richtig guter Film, der beste deutsche Film seit Jahren - und das sagt jemand, der sowohl fußball- als auch filmverrückt ist!

Wertung von Heinz:
 95%
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