Kritik von Denis Hoffmann
Intelligente Komödien sind in diesem noch jungen Kinojahr noch recht selten. Doch mit dem neuen Film von »Jerry McGuire«-Regisseur James L. Brooks haben wir nun einen Vertreter dieser Gattung, wie man ihn kaum besser machen kann. Der kauzige Autor Melvin Udall lebt in seinem New Yorker Appartment völlig von der Außenwelt abgekanzelt. Seine wenigen Kontakte mit der Gesellschaft beschränken sich darauf, daß er seine Mitmenschen beleidigt. Dabei sind seine sarkastischen Äußerungen keineswegs lustig gemeint. Er verletzt jeden mit seinen rassistischen, sexistischen und menschenfeindlichen Verbalattacken. Man fragt sich wirklich, wie so ein Mensch unzählige Liebesromane zu Bestsellern machen und sich in seine weiblichen Figuren hineinversetzen kann. Melvin gibt im Film die Antwort selbst: "Ich stelle mir einen Mann vor und subtrahiere Vernunft und Zurechnungsfähigkeit." Die einzigen Menschen, mit denen er zwangsläufig engeren Kontakt hat, sind sein schwuler Nachbar Simon und Carol, die Kellnerin in Melvins Stammlokal. Obwohl beide versuchen, mit dem spleenigen Kauz klar zu kommen, läßt dieser (zunächst) niemanden an sich heran. Erst als Melvin sich gezwungenermaßen um Simons Hund Verdell kümmern muß, beginnt das Eis langsam zu schmelzen... Jack Nicholson ist wirklich die ideal und einzig denkbare Besetzung für den Hauptdarsteller. Wem sonst würde man die vielen Haßtriaden abnehmen und dabei noch Sympathie für diesen Kerl entwickeln? Über seine Schauspielkunst braucht man wohl nicht mehr viele Wort zu verlieren, denn die hat er schon unzählige Male unter Beweis gestellt. Und so würde es mich nicht wundern, wenn Nicholson für diese Rolle seinen dritten Oscar bekommen würde. Nominiert ist er ja schon, genauso wie Helen Hunt, die als die einfache Kellnerin Carol ebenfalls zeigt, daß sie mehr drauf hat, als ihre Haare im Twister-Wind wehen zu lassen. Greg Kinnear vervollständigt dieses perfekte Team zu Ensemble, wie ein Regisseur es sich nur wünschen kann. Die Story von dem neurotischen Unsympath, der sich zu einem besseren Menschen wandelt, mag vielleicht etwas zu konstruiert sein, doch das ist auch schon das einzige Manko, das man diesem Film vorwerfen könnte. Dafür werden dem Kinobesucher starke Charaktere geboten, die einem wirklich ans Herz wachsen und immer in guter Erinnerung bleiben werden. War diese Kritik hilfreich?
1 von 2 Besuchern fand diese Kritik hilfreich. |