Die britischen Carry On...-Filme, in Deutschland unter dem Präfix "Ist ja irre" veröffentlicht, repräsentieren den typischen Inselhumor der 60er und 70er Jahre. Zwischen 1958 und 1978 wurden insgesamt 29 Komödien gedreht, dazu kommt noch ein Revival-Film aus dem Jahr 1992. Bekanntester Vertreter ist sicherlich "
Carry on Cleo" ("Ist ja irre... Cäsar liebt Cleopatra"), in dem der ein Jahr zuvor erschienene
Monumentalfilm mit
Richard Burton und
Liz Taylor auf die Schippe genommen wird. Fast jeder Teil der Reihe persifliert einen anderen Film bzw. ein Filmgenre oder haut eine bestimmte Berufsgruppe in die Pfanne, auch britische Institutionen bekommen ihr Fett weg, britische Eigenarten werden durch den Kakao gezogen. Mit zur Beliebtheit und einem angenehmen Gewöhnungseffekt beigetragen hat die Beständigkeit bei Cast & Crew, so zeichnete sich Regisseur
Gerald Thomas für alle 30 Filme verantwortlich, Autor
Talbot Rothwell verfasste 20mal das Drehbuch, darunter alle Klassiker der Serie. Die beliebtesten Darsteller waren
Kenneth Williams (26 Auftritte),
Joan Sims (24x),
Sid James (19x) und
Charles Hawtrey (23x).
Beim 21. Mal widmet sich die Carry On-Crew mal wieder einem historischen Thema. König Heinrich (Sid James) kommt bei seinen Gattinnen eigentlich nie zum Zuge, weswegen er sich ein ums andere Mal scheiden läßt und seine Gemahlin um die Ecke bringt. Seine nächste Braut ist Marie aus der Normandie (Joan Sims), die mir Ihrer Vorliebe für Knoblauch den ganzen Hof in den Wahnsinn treibt. Ergo versucht Heinrich auch Marie wieder loszuwerden, unterstützt von seinem treuen Cromwell (Kenneth Williams).
Ja, so mag ich diese Carry On-Filme. Geschichtlich natürlich nicht ganz korrekt räumen die Briten respektlos mit ihrer eigenen Vergangenheit auf und persiflieren nebenbei die seinerzeit beliebten Historienschinken. Konkret gibt es den ein oder anderen Bezug mit "Königin für tausend Tage", unter anderem trägt Sid James zum wiederholten Male die alten Kleider Richard Burtons auf (wie auch schon in "Carry on Cleo"). Der Humor ist logischerweise nicht gerade der subtilste, aber nicht nur im Vergleich mit einigen späteren Filmen der Serie bewegt sich das ganze auf ansprechendem Niveau (ich hoffe, jetzt die Erwartungen nicht zu hoch gesteckt zu haben). Gerade die Running Gags finde ich ziemlich gelungen, sei es der arme Kardinal Wolsey, der die geheimen Botschaften aus dem Tower schmuggeln muß (okay, der Gag ist eher unter der Gürtellinie) oder der gute Sir Roger (Charles Hawtrey), der unter Folter abwechselnd seine üble Tat gestehen und dann wieder widerrufen muß.
Übrigens: "Carry on Sergeant" lautete der Name des allerersten Films der Reihe, benannt nach der seinerzeit üblichen Aufforderung an einen Sergeanten beim britischen Militär, mit seinen Pflichten fortzufahren. Als sich nach dem ganz ordentlich Erfolg des Films eine Fortsetzung anbot, blieb man dann bei "Carry on..."