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Kritik von Benjamin Falk zu 'Ballermann 6'

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Kritik von Benjamin Falk
veröffentlicht am 12.09.2017
60%
Wenn man nach Kuriositäten im deutschen Kino sucht, kommt man an "Ballermann 6" kaum vorbei. Es ist ein Produkt seiner Zeit, ein Film, der in den 90er Jahren funktionierte und wenn man ihn damals gesehen hat, dann kann man wohl am ehesten noch heute etwas damit anfangen. Eigentlich ist es schwierig, dieses Werk mit normalen Worten zu bewerten, denn einen dermaßen großen Schwachsinn bekommt man nicht alle Tage zu sehen. Da ich "Ballermann 6" aber noch von früher kannte, musste ich diese Erfahrung mal wiederholen. Und es hat mich selbst verblüfft, aber ich hatte mit dem Streifen tatsächlich noch immer meinen Spaß.

Dabei gibt es kaum ein Argument, weshalb "Ballermann 6" aus filmischer Sicht gelungen ist, weil die meisten Punkte einer Totalkatastrophe ähneln. Da wäre z.B. die Story. Eine solche braucht der Film eigentlich gar nicht und selbst wenn Tom Gerhardt am Drehbuch beteiligt war, ist es schlichtweg für den Arsch. Es gibt keine echte Handlung, denn es dreht sich nur um Tommie und Mario, die zum Ballermann 6 wollen. Ohne Geld ist das schlecht, doch als Proll kommt man ganz leicht durchs Leben. Jegliche Ideen wirken heute wie ausgelutscht; dermaßen platt und dämlich ist das Ganze. Nein, die Story ist wirklich unterirdisch und so schlecht, dass man seinen Kopf schütteln möchte. Realismus ist für "Ballermann 6" ein Fremdwort, Klischees werden im derbsten Maße ausgefahren. Man fragt sich während der Sichtung selbst schon, ob man überhaupt bei Verstand ist, sich dies anzutun.

Humor ist ja immer Geschmackssache und wird von jedem unterschiedlich aufgenommen, doch "Ballermann 6" ist wirklich so behämmert, dass es weh tut. Natürlich wird auch der Fäkalhumor nicht ausgelassen, ein Schenkelklopfer jagt den nächsten und es geht dabei stets so doof zur Sache, dass man sich fragt, warum man eigentlich weiterschaut. Dazu gesellen sich Figuren, die grenzdebiler nicht sein könnten. Aua! Was sind das nur für völlig bescheuerte Charaktere? Lustigerweise wirkt es dadurch fast schon wieder menschlich, denn was sich da so am Ballermann 6 herumtümmelt, wird sich auf einem ähnlichen Niveau abspielen. Niveau muss man hier streichen, jeglichen Anspruch auch; primitiver könnte es nicht sein. Außerdem gibt es billige Effekte und Situationen, die unrealistischer kaum sein könnten.

Klingt vernichtend, aber warum funktioniert "Ballermann 6" dann? Zunächst einmal liegt das sicherlich an Tom Gerhardt und Hilmi Sözer, welche diese Rollen bereits im Vorgänger "Voll normaaal" verkörperten. Sie sind ein eingespieltes Team und haben sichtlich einen Haufen Spaß an ihren beknackten Figuren. Dieser Spaß überträgt sich irgendwie auf den Zuschauer und es braucht nicht mal großes schauspielerisches Talent, um das transportieren zu können, sondern Charisma, welches auf prollige Art übertragen wird. Außerdem lässt sich "Ballermann 6" teilweise schon fast als Parodie auf diesen Tourismus-Boom ansehen. Wenn Tommie die völlig besoffenen, sich total daneben benehmenden Menschen sieht und sagt "Endlisch normaale Leute", dann ist das vielleicht gar nicht so ironisch gemeint, doch der Gag sitzt und spätestens hier muss man dem Werk fast eine subtile Art des Anspruchs unterstellen. Und so blöd der Humor auch sein mag, er funktioniert irgendwie. Ich musste tatsächlich oftmals lachen, denn dieses chaotische Wirrwarr an Szenen strapaziert zwar auf Dauer die nerven, ist aber wirklich so schlecht, dass es schon wieder gut wird. Das ist Trash in seiner reinsten Form und bei mir hat es gezündet.

Einen klassischen Filmaufbau gibt es dabei kaum. Wir bekommen eine kleine Einleitung, in der dann auch gleich mal Uwe Ochsenknecht vorbeischauen darf. Sowieso wird hier nicht mit bekannten Gesichtern aus Deutschland gegeizt und natürlich ist auch Jürgen Drews mit dabei. Sobald man dann in Mallorca angekommen ist, hangelt sich "Ballermann 6" von einer Szene zur nächsten, ohne echten roten Faden, aber immer wieder mit kleinen Ruhepausen, damit das Publikum kurz durchatmen kann. Dennoch folgt einer Geschmacklosigkeit die nächste und zum Ende hin ermüdet sich dieses Konzept etwas. Die Lacher werden geringer und es man ist dann doch froh, wenn alles zu Ende ist, denn anstrengend ist "Ballermann 6" schon. Dennoch vergingen die knapp 90 Minuten Laufzeit erstaunlich kurzweilig, denn die meisten Szenen sind einfach dermaßen verblödet, dass man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. Ein bisschen nackte Haut darf natürlich auch nicht fehlen und ansonsten dreht sich halt alles ums Eimersaufen.
Der Soundtrack passt sich der Kulisse an und besteht aus damals bekannten Songs, die authentisch wirken.

Fazit: "Ballermann 6" ist schon ein ziemlicher Wahnsinn. Einen dermaßen chaotischen, grenzdebilen, primitiven, anspruchslosen und dämlichen Film bekommt man nicht alle Tage zu sehen und dass das Ganze auch noch aus Deutschland stammt, macht die Sache eigentlich nicht besser. Es gibt quasi keinerlei Handlung, die Figurenzeichnung ist im wahrsten Sinne des Wortes zum Kotzen und aus handwerklicher Sicht ist das manchmal auch etwas holprig gestaltet. Trotzdem machte mir der Film mal wieder Spaß. Der Humor ist so doof, dass er schon wieder funktioniert und ich musste oftmals lachen, wobei das jeder unterschiedlich sehen wird. Fakt ist, dass man, vielleicht sogar ungewollt, fast eine Art Parodie erschaffen hat, die durch den eventuellen Intellekt des Zuschauers noch an Zugkraft gewinnt. Doch selbst wenn man diese Ebene außer Acht lässt, kann man mit einem gewissen Pegel hier unbeschwert Spaß haben. Alleine die vielen Darsteller machen nämlich Spaß und im Endeffekt tut "Ballermann 6" auch niemandem weh, denn dafür ist er schon wieder zu harmlos. Wie bereits anfangs erwähnt: Eine Kuriosität!

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