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Kritik von Michael Scharsig zu 'The Thing'

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Kritik von Michael Scharsig
veröffentlicht am 30.11.2011
75%
Ein Prequel ist eine Fortsetzung eines Films, die aber chronologisch vor der Handlung des vorherigen Werks angesiedelt ist.
Ein Remake ist eine Neuverfilmung eines bereits existierenden, meist mehrere Jahrzehnte älteren Films.
Zweifellos gehört "The Thing" zu den besten Filmen, die John Carpenter je fabriziert hat. Er schaffe es, dem damals schon ausgelutschten Alien-Genre noch einmal Leben einzuhauchen und eine bis dahin neuartige Form von außerirdischem Leben auf die Menschen loszulassen. Jetzt haben sich die Produzenten vom Zombie-Remake-Erfolg "Dawn Of The Dead" an die Geschichte gewagt und eine Vorgeschichte ins Kino gebracht.

Was den "Klassiker" ausmacht ist vor allem seine Intensität. Fast im gesamten Film läuft kaum Musik. Während dieser Stille im Haus und den Geräuschen des Schneesturms außerhalb, sind gerade die Szenen in der sich die Betroffenen gegenseitig nach Infektionen kontrollieren das große Plus. Jeder misstraut dem Anderen, jeder könnte "Es" sein. Diese energiegeladenen Minuten ziehen sich ins Unermessliche, bis die Schockszenen kommen, die beim Anblick des "Dings" Ekel erregen.
Im 2011er Prequel wird eine Menge übernommen und richtig kopiert, doch an die Intensität kommt der Film nicht heran. Zu schnell misstrauen sich die Überlebenden, zu schnell outet sich das Wesen, zu schnell fliegen Dinge in die Luft. Was bei "Dawn of the Dead" funktionierte, stiehlt "The Thing" sein Alleinstellungsmerkmal. Der Film artet in einer Hetzjagd aus. Wenn Menschen vor Zombies flüchten, dann passt das, aber bei "The Thing" nicht. Hier hätten die Stärken des Originals besser ausgeschlachtet werden können. Diese nervenzerrende Ruhe, die bissigen Blicke der Überlebenden, die keinem im Raum trauen, die scharfen Dialoge - das alles wird zwar verwendet, aber zu schnell wieder abgebrochen. Das Original lebte aber davon.

Trotzdem wird hier ein Alien-Film präsentiert, den es sich lohnt zu gucken. Die Effekte überzeugen und schaffen es, die Abartigkeit des Wesens gekonnt zu vermitteln. Wenn Wesen und Mensch ineinander verwachsen, ein menschlicher Kopf als außerirdisches Guck-Rohr fungiert und sämtliche menschliche Gliedmaßen unbrauchbarer Teil des gesamten "Dings" werden, dann erzeugt das heute wie damals Gänsehaut. Leider klingt das Wesen teilweise wie die Aliens aus "Independence Day" oder die Velociraptoren aus "Jurassic Park". Hier hätte das stumpfe Gestöhne der seltsamen Körpermasse aus dem Original ruhig übernommen werden können, weil es anders klingt.
Der Schauplatz ist gut gewählt und optisch hervorragend für eine Story wie diese. Leider wird neben dem Zuschauer auch den Charakteren zu schnell klar, in welcher auswegslosen Lage sie sich befinden.

Generell ist die Auswahl der Darsteller gelungen. Joel Edgerton kommt als querdenkender Helikopter-Pilot sympathisch rüber, auch wenn er wirkt, wie die Kopie von Kurt Russells Rolle aus dem Original. Die Hauptrolle der Kate Lloyd ist allerdings weniger gut von Mary Elizabeth Winstead gespielt worden. Gefiel sie noch in Filmen, wie Tarantinos "Death Proof" oder als Lucy McClane in "Stirb Langsam 4.0", wirkt sie in ihrer Ripley-Rolle eher unmotiviert, sodass der Zuschauer keinen wirklichen Zugang zu ihrer Rolle aufbauen kann. Mit Ulrich Thomsen ("The International", "Königreich der Himmel"), Trond Espen Seim ("Der Wolf"), Eric Christian Olsen ("Pearl Harbor") und jeder Menge weiterer Nebendarsteller ist der Großteil des Casts tatsächlich aus Skandinavien, was die Authenzität des norwegischen Forscherteams unterstützt. Stellt sich nur die Frage, wieso als Schauplatz die Antarktis gewählt wurde - ein Ort, der nicht weiter Norwegen weg sein könnte.

Insgesamt ist "The Thing" ein Film, der dann gefällt, wenn der Zuschauer das Original nicht kennt oder keine Kopie erwartet. Die Handlung hat bisweilen kleine Logiklücken, aber die Effekte und der Schauplatz überzeugen. Das Wesen wird ekelerregend dargstellt, tierischer als im Original. Regisseur Matthijs van Heijningen Jr. hat einen spannenden, actiongeladenen Alien-Schocker auf die Leinwand gebracht, der mit einem sehr seltsamen Outro abschließt. Die Intensität und die klirrende Atmosphäre des Originals sind verloren gegangen, dafür hat Plot aber an Tempo zugelegt.

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