foyer - hier geht's zur startseite... die aktuellen kinocharts für Deutschland und USA aktuelle Meldungen aus der Kinowelt die aktuellen Kino-Starttermine fü Deutschland kinoprogramm unsere aktuellen kritiken heimkino - aktuelle DVD-Termine directory - Stöbere in unserer Datenbank background - Informationen rund um zelluloid.de
zelluloid

Kritik von Benjamin Falk zu 'In My Skin'

WERBUNG
Partner von Entania
Kritik von Benjamin Falk
veröffentlicht am 13.04.2012
60%
Die Story von "In my Skin" klang interessant und der Film bekam auch recht positive Kritiken. Dieses französische Werk ist wirklich ziemlich unangenehm und wird dem Mainstream-Publikum sicher nicht gefallen, interessant und sehenswert ist er aber trotzdem.

Esther ist eine gutaussehende Frau, die einen gut bezahlten Job und einen Freund hat. Eigentlich steht sie mit beiden Beinen im Leben. Eines Abends auf einer Party verletzt sie sich an ihrem Bein, bemerkt dies jedoch erst wesentlich später. Eine Tatsache, die der Arzt sehr merkwürdig findet. Nach und nach beginnt Esther an der Wunde herum zu spielen und fängt an sich selbst zu verletzen. Ihr Freund findet das sehr beunruhigend, aber Esther versichert ihm, dass es nicht mehr vorkommt. Allerdings hat sie ihr Verhalten nicht mehr unter Kontrolle und so werden ihre Selbstverstümmelungen immer drastischer.
Die Handlung dreht sich um selbstverletzendes Verhalten und um die Borderline-Persönlichkeitsstörung. Diese Themen waren 2002 schon aktuell, sind sie aber noch immer, weil es viele Menschen gibt, die darunter leiden. So sehen wir eine Frau, die eigentlich keinen Grund hat, so etwas zu machen, es aber erregend findet und nichts gegen diesen Drang machen kann. Das Drehbuch wirkt vollkommen glaubwürdig, authentisch und es gibt hier nichts unrealistisches zu sehen. Gerade das macht "In my Skin" teilweise auch so beklemmend.

Marina de Van schrieb nicht nur das Drehbuch und war für die Regie verantwortlich, sondern sie spielt auch die Hauptrolle und ist die Einzige, die in diesem Film wirklich etwas zu tun hat. Sie spielt sehr glaubwürdig und bringt die Lust und die Qual an der Selbstzerstörung sehr gut herüber. Alle anderen haben nur kleine Rolle, spielen solide, haben aber kaum etwas zu tun.
Die Figurenzeichnung beschränkt sich fast ausschließlich auf Esther und man kann hier schon von einer kleinen Charakterstudie sprechen. Man erfährt nicht viel von Esther und ihre Psyche wird nicht komplett durchleuchtet. So erfährt man auch nie den wahren Grund, weshalb sie sich das antut. Dafür muss man schon zwischen den Zeilen lesen. Sieht man sich den Film aufmerksam an und hat man eine recht gute Auffassungsgabe, kann man allerdings schon viele Szenen erkennen, die andeuten, weshalb Esther sich kurz darauf wieder selbst verletzt. Die Zeichnung ihrer Figur war deshalb ziemlich gelungen.

Die Inszenierung ist ruhig, sehr ruhig. Oftmals bewegt sich die Kamera lange Zeit nicht und wenn sie es tut, ist dies stets langsam der Fall. Das passt gut zur Grundstimmung. Man nähert sich dem Thema ruhig und mit bedacht. So sind die ersten Selbstverletzungen noch recht harmlos, während es hinterher immer drastischer werden. Handwerklich ist das solide gemacht und kann überzeugen.
Die Atmosphäre ist ziemlich beklemmend und leicht verstörend. Mit Horror hat man es hier eigentlich nicht zu tun. "In my Skin" stellt ein reines Drama dar. Gerade die Szenen, in denen sich Esther verletzt, sind dabei nichts für Zartbesaitete. Es wird eigentlich selten grafisch, aber trotzdem wirken diese Szenen sehr intensiv und sind wohl auch gerade so beklemmend, weil sie eben nicht sehr explizit sind.

Der Unterhaltungswert ist allerdings nicht gerade ein Knaller, weil "In my Skin" eigentlich auch kein Unterhaltungsfilm ist. Die Machart ist sehr ruhig, es passiert immer nur sehr wenig und Spannung entsteht so überhaupt nicht. Auch Action oder Humor gibt es keinen. Für den Einen oder Anderen mag das langweilig sein, ich hingegen habe mich nicht gelangweilt, weil ich das Geschehen auch so irgendwie packend fand. Von Kurzweil kann hier aber keine Rede sein.
Besonders viele Effekte gibt es eigentlich nicht zu sehen, wenn welche vorkommen, sind diese aber realistisch und sehen gut aus. Blutig wird es natürlich und harmlos ist das ganze Geschehen auf keinen Fall, aber es wird eben nicht besonders grafisch, was jedoch sehr gut so ist.
Der Score ist sehr ruhig und passt gut zum Geschehen.

Fazit: "In my Skin" ist so ein Film, den ich gut fand, den ich mir aber sicherlich kein zweites Mal ansehen werde. Die Handlung ist sehr realistisch, Marina de Van spielt sehr glaubwürdig und ihre Figurenzeichnung ist ordentlich geworden. Dazu kommt eine sehr ruhige und gekonnte Inszenierung und die Atmosphäre ist wirklich beklemmend. Langweilig wurde mir hier zwar nicht, aber einen Unterhaltungsfilm kann man das einfach nicht nennen. Wer auf der Suche nach einem harten, realistischen Drama ist, bekommt mit "In my Skin" definitiv ein intensives Werk, welches absolut sehenswert ist. Ein zweites Mal muss trotzdem nicht sein!

War diese Kritik hilfreich?
 
weitere Kritiken zu diesem Film
Neben obiger Besprechung gibt es noch keine weiteren Kritiken - möchtest Du Deine eigene Meinung loswerden? Hier erfährst Du, wie:
Eigene Kritik schreiben
Weitere Kritiken in der aktuellen Übersicht oder im Archiv
 
zelluloid - Navigationselement
WERBUNG
Kurz-Link zu dieser Seite: http://zel.lu/k6DB
foyer | charts | filmnews | kinostarts | kinoprogramm
kritiken | heimkino | directory | background
 
zelluloid.de • ©1998-2014 Denis Hoffmann & Alexander Jachmann
 
SitemapImpressuminfo@zelluloid.de
Hinweise zum DatenschutzNutzungsbedingungen