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Kritik von Gregor Roethlisberger zu 'A Tale of Two Sisters'

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Partner von Fantastic Zero
Kritik von Gregor Roethlisberger
veröffentlicht am 11.02.2008
90%
Beklemmendes Psycho-Kammerspiel.

Ein altes Anwesen in Korea. Das Haus könnte aber auch aus dem viktorianischen England stammen. Schwere lange Vorhänge, bestickte Decken und Kissen, antike Möbel und Dämmerlicht. Die Protagonisten dieser schönen Kulisse: die Zwillingsschwestern, der apathische Vater und die böse Stiefmutter (archetypisch!).
Ausflüchte, Sticheleien und Auseinandersetzungen, die Stimmung ist angespannt, und bald ist klar, dass da etwas Schlimmes geschehen sein muss. Da sind beispielsweise Kisten mit alten Fotos von der leiblichen Mutter als diese noch lebte, auf den Fotos werden Gesichter durchgestrichen und rausgerissen, eigenartige Szenen werden im Traum noch einmal durchlebt. Schock, Angstzustände und Albträume, das Erlebte aus der Vergangenheit erzeugt eine beklemmende Gegenwart. Es gibt viele Andeutungen, was aber war wirklich geschehen in diesem Haus, wer hat wem was angetan?
Nach den anfänglichen Psychospielchen wirds immer gruseliger, von wem kommen die Geräusche, da doch niemand im Haus ist, was ist hinter dem wabernden Vorhang und der knarzenden Tür? In einer Szene sieht man Blut unter den Dielen hervorquillen, eine Metapher - hier hat's ganz offensichtlich Leichen im Keller. Es ist ein altes Spiel, Erinnerung und Verdrängung, Schuld und Sühne. Sigmund Freud lässt grüssen. Die Wahrnehmungen und Erinnerungen der Protagonisten sind allerdings trügerisch, und so ergeht es einem auch als Zuschauer, und bis am Ende bleibt vieles unklar.
"A tale of two sisters" vereint neuen asiatischen Horror, Psychodrama und Arthouse. Ein, wie Stanley Kubricks "Shining”, ästhetisch und inhaltlich sehr stimmiger Film. Aber Achtung: nichts für schwache Nerven, am besten zu zweit anschauen.

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