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Kritik von Philipp Stroh zu 'Tödliches Kommando - The Hurt Locker'

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Kritik von Philipp Stroh
veröffentlicht am 06.02.2010
65%
Geschrieben von einem Mann, der miterlebt hat, was der Film zeigt; verfilmt von einer Frau, die im Genre des Thrillers zu Hause ist, erfüllt "The Hurt Locker" wohl die wichtigsten Voraussetzungen für ein packendes Kriegsdrama. Der Film ist auf dokumentarisches Flair bedacht und lässt offensichtlich patriotische und politische Gesten konsequent weg, wodurch eine hohe Authentizität erzielt wird. Der hohe Preis dafür ist zunächst ein recht anstrengender Kamerastil (Oscarnominierung hin oder her) sowie vor allem der Wegfall einer wirklichen Handlung, da man im Prinzip zwei Stunden lang einer Gruppe von Soldaten einfach nur über die Schulter schaut, während sie ihre Männlichkeit ausleben, sich Ängsten stellen und nebenbei ihren Platz im Leben suchen. Aus seiner Nüchternheit schöpft der Film Kraft, allerdings auch Teilnahmslosigkeit seitens eines nicht unwesentlichen Teils des Publikums.

Es gibt so einige spannende Szenen. Diese sind nach einem Rezept gestrickt, wie es klassischer nicht sein könnte: Mann entschärft Bombe - geht die Bombe hoch, und wenn ja, wann? Wird er es schaffen? Alternativ gibt es Schießereien - Wer trifft zuerst? Zugegeben: Es funktioniert immer noch. Ansonsten jedoch wird dem Zuschauer dank wiederholtem Leerlauf einiges an Geduld abverlangt. Die Ausnahme stellen vor allem jene Zuschauer dar, die zu den (realen) Ereignissen, von denen der Film erzählt, eine emotionale Bindung haben, wenn auch nur entfernt. Bestimmt ist "The Hurt Locker" deswegen speziell in den USA so beliebt.

Mitunter am interessantesten an "The Hurt Locker" ist die Besetzung. Das weite Feld wird eher unbekannten Schauspielern überlassen, während so einige große Namen überraschend in winzigen Nebenrollen auftauchen. Von Guy Pearce ("Memento"), Ralph Fiennes ("Der englische Patient") und David Morse ("The Green Mile") hätte man gut und gerne mehr vertragen. Schleierhaft ist dagegen die Besetzung von Evangeline Lilly (Kate in der Serie "Lost"), die so gar nicht mit Hauptdarsteller Jeremy Renner harmonieren will. Letzterer liefert übrigens eine gute Performance ab, doch als Oscar-Anwärter in der Kategorie "Leading Actor" ist er offen gesagt das reinste Füllmaterial.

Das Filmende schließt zwar den vom eingangs gezeigten Zitat "[...] Denn Krieg ist eine Droge." begonnenen Kreis, doch bremst es den Realismus aus, der im ganzen Mittelteil so sorgfältig ausgebreitet wird. Ein zu cooles Ende für den bewusst von vielen (Kriegs-) Filmklischees befreiten Bericht, der einem zuvor aufgetischt wird. Was dem nicht ganz stimmigen "The Hurt Locker" allemal bleibt, ist eine eindrucksvolle Tonkulisse, eine interessante Rollenverteilung und der bis auf ein paar fesche Zeitlupensequenzen angenehm bodenständige Einblick in den Kriegsalltag, starr auf die einfachen Soldaten fixiert. Regisseurin Kathryn Bigelow ("Gefährliche Brandung", "Strange Days") sei der Erfolg von "The Hurt Locker" gegönnt. Schließlich wird so nach langer Zeit wieder auf eine Frau aufmerksam gemacht, die mit Vorliebe "Männerstoff" dreht. Das hat Anerkennung verdient.

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