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Kritik von Florian Lieb zu 'Untraceable'

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Partner von Entania
Kritik von Florian Lieb
veröffentlicht am 02.04.2008
50%
Ein Trailer ist ein aus einigen Filmszenen zusammengesetzter Clip zum Bewerben eines Kino- oder Fernsehfilms, eines Computerspiels oder einer anderen Veröffentlichung. Der Zweck eines Trailers ist es, dem Publikum einen Vorgeschmack auf das beworbene Produkt zu geben und natürlich Werbung für dieses zu machen.
Wikipedia definiert Internetkriminalität als Straftaten, die auf dem Internet basieren oder mit den Techniken des Internets geschehen. Hierunter fallen neben dem allseits bekannten und großzügig ignoriertem Filesharing auch Dinge wie Spionage oder all die Diebstähle, die über das Internetportal funktionieren wie Phishing, Kreditkartenbetrug und so weiter und so fort. Selbstverständlich gehört auch die Verführung Minderjähriger in Chatrooms dazu, wie auch ein so kleines Delikt wie eine Beleidigung. Mord dagegen ist eine Kategorie, die eher weniger mit dem Internet zu tun hat - oder doch? Bekannt sein dürfte der 2001er Falls den Rotenburger Armin Meiwes, der über das Internet nach jungen Männern suchte, die seine kannibalistische Neigung teilten, und der schließlich einen 43jährigen Diplom-Ingenieur umbrachte und verspeiste, nachdem er sich über das Internet mit diesem auf die Vorgehensweise geeinigt hatte. Wirklich umbringen kann man mit dem Internet allerdings dann doch niemanden, schließlich handelt es sich bei diesem lediglich um ein Medium. Dieses kann jedoch dazu genutzt werden einen Mord zu dokumentieren und diesen dadurch propagieren. Mit ebenjener Thematik beschäftigt sich "Untraceable", einer der wenigen Cyberspace-Filme, deren Genrevertreter wie "Firewall" eher rar gesät sind, in den kommenden Jahren allerdings wohl an Aktualität gewinnen dürften.

Eigentlich könnte der neue Film von Gregory Hoblit, unter anderem für "Fracture" oder "Primal Fear" verantwortlich, den Untertitel "Saw goes Internet" tragen, lassen die hier gezeigten Serienmorde kaum etwas an dem Einfallsreichtum eines Leigh Whannell oder James Wan vermissen. Dabei handelt es sich, um Bürokratie-Deutsch zu sprechen, streng genommen nicht einmal wirklich um einen Serienmörder, da dieser seine Opfer nicht selbst tötet. Er entführt sie lediglich, das wirkliche Morden übernimmt die Öffentlichkeit für ihn. Auf seiner Website "Kill with me" präpariert der Mörder seine Opfer in vakanten Situationen, ein Opfer wird beispielsweise einbetoniert und dann mit Glühbirnen bestrahlt. Seine Effektivität gewinnt diese Methode daher, dass je mehr User sich auf der Homepage einloggen um das Schauspiel zu betrachten, dafür sorgen dass auch die Quälung des Opfers verstärkt wird - im erwähnten Fall die Zuschaltung weiterer Glühbirnen. Erstes Test-Opfer der Seite war zu Beginn noch ein kleines Kätzchen, steigert sich anschließend jedoch zu liebenden Familienvätern, die dem Profil der Ermittler zu widersprechen scheinen. Ein Opfer folgt dem nächsten und jedes Mal erhöht sich die Zuschauerzahl der Webuser und damit verringert sich die Lebensdauer der Opfer. Ein scheinbar aussichtloser Kampf, bedenkt man die torture porn Geilheit der heutigen Jugend, die nicht genug Blut und Qualen in Filmen eines Eli Roth sehen kann, denen es nach mehr verlangt, mehr Gewalt, mehr Blut, mehr.

In Zeiten von Schülerschaften, die auf dem Pausenhof gegenseitig nicht mehr Paninibilder sondern Gewaltvideos ihrer Handys austauschen, denen es nach Filmen wie "300" oder "Rambo" verlangt, dabei immer bitte alles in Großaufnahme und schön scharf, tritt nunmehr ein Film, der dieses Verhalten kritisiert und zugleich bedient. Das Produzentenquartett Rosenberg, Lucchesi, Wright und McQuaide war dabei bereits für die zeitgenössischen Underworld-Filme und Crank verantwortlich, steht hinter den beiden im Genre unerfahreneren Steven Pearl und Andy Cohen, letzterer bisher Produzent von Komödien mit den Olsen-Zwillingen. Es versteht sich von selbst, dass die Filmindustrie natürlich diese perversen Gelüste des Publikums zu bedienen versucht, warum sollte man gute Filme ins Kino bringen, die keiner sehen will, anstatt krankhaft gewaltverherrlichender Filme, die dann einen Absatzmarkt finden. So gesehen ist Hoblits Film vielleicht gerade das richtige, der das betreffende Klientel durch seinen Goregehalt ins Kino zu locken vermag und ihm dann zugleich den Spiegel vorhält, im Sinne von "Schaut her, so krank seid ihr auch". Die Macher initiierten tatsächlich eine Website mit der URL www.killwithme.com und diese weißt im Gegensatz zu der im Film daraufhin, dass das betreten der betreffenden Seite gefährlich sein könnte und klickt man dennoch auch Enter, wird man mit der Tatsache konfrontiert, dass 90% aller User sehen wollten, was sich dahinter verbirgt.

Symbolhaft steht dies für unsere Gesellschaft, die man hinterfragen müsste, wie viele Leute wirklich eine Seite betreten würden, von der sie wissen, dass die Userzahl einen Menschen im Begriff ist zu töten. Der perverse menschliche Drang zum Voyeurismus ist da doch immer noch vorherrschend und hängt mit den Serienmorden enger zusammen, als es der Anschein zuerst vermuten lässt, wie schließlich auch die FBI-Ermittlerin Marsh (Diane Lane) feststellen muss. Für die soziale Ausarbeitung ihrer Figur, wie auch der des Serienmörders holten die Produzenten Allison Burnett an Bord, der unter anderem das Drehbuch zu "Autumn in New York" geliefert hatte und eher für seichte Dramen zuständig ist. Hier scheint das Originaldrehbuch Mängel aufgewiesen zu haben, was bei einem Blick auf die Autoren nicht weiter verwundert. Während Emmerich an seinem letzten desaströsen Vehikel seinen Komponisten mitschreiben ließ, zeichnen sich bei "Untraceable" der Rechtsanwalt Robert Fyvolent und der Chirurg Mark Brinker als kreative treibende Kräfte verantwortlich. Scheinbar hat der Autorenstreik in den USA neue Grenzgänge bewirkt, sodass man sich inzwischen bei Starbucks von der Kellnerin nicht nur seinen entkoffeinierten Cappuccino sondern zugleich ein Drehbuch bringen lassen kann, sich neben dem neuesten Ölwechsel vom Tankwart eine Idee pitchen lassen. Das ist Hollywood, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Die Darstellung des Cybervoyeurismus ist den Autoren dennoch gut gelungen, da kann man den beiden keinen Vorwurf machen, ihre wahre Profession hin oder her, schließlich war auch Khaled Hosseini Anästhesist, ehe er seinen Welterfolg "The Kite Runner" schrieb.

Woran es beim Film vor allem krankt sind die verwendeten Klischees. FBI-Cybercrime-Spezialistin Marsh wird von Diane Lane zwar gut dargestellt, ist trotz Burnetts Arbeit jedoch erstaunlich eindimensional geraten, wie man es schon in Dutzenden Genrevertretern zuvor gesehen hat. Auch die Motivation des Täters ist relativ einfallslos, was aber auch daran liegen kann, dass das Genre per se ziemlich ausgelaugt zu sein scheint. Viel neues weiß Hoblits Films jedoch nicht zu bieten und bedient sich sogar so schwacher Schockmomente wie des "der Killer lauert auf der Rückbank" und verfällt dem Spannungsbogen, dass der Täter aus dem Fall eine persönliche Sache mit dem zuständigen Ermittler macht. Auch Hoblits letzter Film Fragile sprühte nicht gerade vor Einfallsreichtum und lebte von der Darstellung seiner beiden Hauptdarsteller, "Untraceable" hingegen lebt von seiner unterschwelligen Kritik am System, an der Ausartung zuzusehen wollen, wie andere leiden. Wie jeder Horror-Film verstrickt sich auch dieser in manchen Logiklöchern, angefangen bei der ominösen IP-Adresse, die irgendwo in Russland ist, sich aber nicht vom FBI sperren lassen will. Die besser ausgerüstete NSA hat keine Lust, Morde an unschuldigen Amerikanern zu klären, und die Konsequenz zum Schutz seiner Bürger das Internet in den Staaten lahmzulegen zeigt auch niemand. Dazu noch die exorbitant steigenden User-Hits (500 Hits/Sek.) führen dann mit so manch dümmlichen Dialogen zu einem ungewollten Lachern, trüben insgesamt allerdings nicht den positiven Eindruck, den Hoblits Film nach seinem Trailer zu hinterlassen vermag - ein Thriller, der es allemal wert ist gesehen zu werden, auch wenn er nicht zu überraschen weiß und nach Schema F gestrickt wurde.

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