Nach der
Coppola-Interpretation von "
Bram Stoker's Dracula" und
Mike Nichols' Werwolfs-Nostalgie "
Wolf" hat auch der feingeistige Shakespeare-Filmer
Branagh einen Horror-Oldie der Dreißiger neu aufgelegt und romantisch umgemodelt. Der Roman "Frankenstein" von 1818 war eher poetisch als blutig, mehr moralisch als morbid. Regisseur
Kenneth Branagh trägt dem Rechnung, verfilmt den Roman weitgehend werkgetreu und bringt erstmals die Rahmenhandlung des Buches auf die Leinwand, in der Frankenstein am Nordpol auf sein Alter ego, den Entdecker Robert Walton, trifft. Auch das Kernstück des Romans, der psychologische Konflikt zwischen dem Schöpfer und seinem Geschöpf, nimmt weitaus mehr Raum ein als in sämtlichen früheren Adaptionen, die die Komplexität des Romans nur streiften. Dass der Film trotzdem in Ehren scheitert, ist nicht die Schuld des sensationellen Monster-Darstellers
Robert De Niro sondern die des narzistischen Monster-Dompteurs Kenneth Branagh. Der liefert nämlich eine peinliche Selbstdarstellungs-Show ab. Der ist aber nicht der einzige Vater dieses Filmmonsters. Hinter dem wuchtigen Theater-Donner sind nicht zufällig der optische Glamour und das visuelle Vibrato von Coppolas Vampir-Oper "Bram Stoker's Dracula" allgegenwärtig. Der Produzent prägte nicht nur die Handschrift dieser Kadaver-Vitalisierung, sondern schuf es nach dem inhaltlichen Ebenbild seiner Stoker-Bearbeitung. Beide Filme verstehen sich mehr als existentialistische Tragödien, denn als reine Horror-Produktionen, vor allem aber befreien sie ihre Monster vom Ruch der geistlos höheren Metapher. Dies soll lobenswert erwähnt sein. Dennoch bleibt der Film im knappen Durchschnitt hängen.
Schade!