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Kritik von Alexander Kiensch zu 'Leatherface'

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Kritik von Alexander Kiensch
veröffentlicht am 06.06.2017
55%
"Der Herr der Ringe"-Fans müssen jetzt stark sein: Denn niemand anderes als Viggo Mortensen hat im dritten Teil der berüchtigten "The Texas chainsaw massacre"-Reihe einen seiner ersten Kinoauftritte. Und hier ist er weit davon entfernt, ein weiser Kämpfer für das Gute zu sein - als Mitglied einer hinterwäldlerischen Kannibalensippe tyrannisiert und foltert er gerne einige unbedarfte junge Leute, bevor er sie mit seinen Brüdern schlachtet.

Mit "Leatherface" geht die Geschichte um einen Kettensägen schwingenden Irrenden und seine nicht minder perverse Familie in die dritte Runde - diesmal allerdings mit einer ganz neuen Sippschaft, was die Glaubwürdigkeit der Handlung doch ein wenig einbremst. Auch bleiben die zentralen Figuren - ein verkrachtes Pärchen und ein einsamer Survival-Kämpfer, die zufällig ins Jagdgebiet von Leatherface geraten - blaß und austauschbar. Besonders im Anfangsteil fallen die Dialoge ziemlich bemüht und hölzern aus und auch einige arg klischeehafte Szenen werden aufgewärmt: etwa die gruselige Begegnung mit einem verkommenen Tankstellenwärter oder die Konfrontation von hochnäsiger Großstadtjugend und rauer Landbevölkerung. Insgesamt bietet der Film also in Sachen Originalität und Ideen nichts wirklich Neues.

Dennoch ist er als Fortsetzung eines der berühmtesten Horrorklassiker weitaus würdiger als der völlig missratene zweite Teil. Auch wenn er an künstlerischer Stringenz und inszenatorischer Dichte weit hinter dem legendären Original zurück bleibt, kann er ab einem bestimmten Punkt durch eine düstere Atmosphäre, krasse Schockeffekte und eine spannende Handlungsentwicklung unterhalten. Gleich zweimal etwa gibt es einen Faustkampf mit Leatherface direkt neben einer laufenden Kettensäge, was durchaus den Atem stocken lassen kann.

Auch gefällt die radikale Umsetzung des Sujets: Das Horrorhaus der Familie ist radikal dreckig und ekelhaft, die Mörder sind radikal psychopathisch, die Gewaltszenen sind radikal verstörend (obwohl die eigentlichen blutigen Bilder regelmäßig ausgespart werden) und der Kampf ums nackte Überleben wird zum Ende hin brachial brutal. Wenn eine der Hauptfiguren mit Nagel und Hammer direkt an einen Stuhl genagelt wird, nimmt "Leatherface" sogar ein wenig die violent porn-Bewegung voraus, die 15 Jahre später mit "Saw" ihre Glanzzeit erleben sollte.

Neben dieser furios dreckig-brutalen Umsetzung (die auch durch einen entsprechend harten Metal-Soundtrack untermalt wird) werden hier die perversen Familienmitglieder nicht so hemmungslos zu Cartoonfiguren stilisiert wie im zweiten Teil. In einer fast berührenden Szene, in der Leatherface allein in seiner Werkstatt sitzt und sich mit einem Kinderspielzeug zum Wörterlernen beschäftigt, kommt sogar ansatzweise die Tragik dieses ausgestoßenen und als Mordwerkzeug missbrauchten Menschen zu Tage. Allerdings nur kurz, denn danach geht es gleich weiter mit dem harten Überlebenskampf, der ins spannende finale Duell mündet.

Mit krachenden Actionszenen, sehr brutalen Sequenzen, einem drastisch verkommenen Setting und dem berühmten Irren Serienmörder dürfte der dritte Teil der Reihe viele Genre-Fans zufrieden stellen. Wenn er nicht so arg lang bräuchte, um in die Gänge zu kommen, den Figuren etwas mehr Konturen gäbe und dafür mit weniger Klischees und vorhersehbarer Dramaturgie arbeiten würde, hätte er ein richtig guter Film werden können. So aber ist er definitiv gute Durchschnittsware im Horror-Genre.

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