foyer - hier geht's zur startseite... die aktuellen kinocharts für Deutschland und USA aktuelle Meldungen aus der Kinowelt die aktuellen Kino-Starttermine fü Deutschland kinoprogramm unsere aktuellen kritiken heimkino - aktuelle DVD-Termine directory - Stöbere in unserer Datenbank background - Informationen rund um zelluloid.de
zelluloid

Kritik von Michael Denks zu 'Drive'

WERBUNG
Partner von Entania
Kritik von Michael Denks
veröffentlicht am 19.01.2012
95%
Cannes ist eine Stadt an der südfranzösischen Mittelmeerküste. Besonders bekannt ist Cannes durch die jährlich im Mai stattfindenden Internationalen Filmfestspiele.
www.festival-cannes.fr

Externer Link öffnet sich in neuem Fenster. Bitte beachte dazu unsere Nutzungsbedingungen.
Vielleicht kann man von Glück reden, dass "Drive", der ursprünglich 2008 als Blockbuster geplant war, einen anderen Produktionsweg gefunden hat.
Um ein Haar würden uns heute rasante Verfolgungsjagden in typischer Hollywood-Manier um die Ohren fliegen, neben krachenden Sportwagen bliebe dann ein kläglicher Rest an Dialog oder eventuell Handlung übrig. Doch wie es der Zufall wollte, zog es 2010 den zunächst vorgesehenen Hauptdarsteller Hugh Jackman ("Australia") sowie Regisseur Neil Marshall zu anderen Projekten. Produzent Marc Platt musste sich nach einem Reserve-Team umsehen. Nachdem Ryan Gosling als Ersatzfahrer mit an Bord kam, konnte sich Selbiger seinen Co-Piloten selbst aussuchen. Der kommerziell unbekannte, dänische Filmemacher Nicolas Winding Refn sprang für Marshall ein, für eingefleischte Filmkenner bekannt durch "Walhalla Rising", eher schwereren Kost. Doch wie sich im Nachhinein herausstellte, ein Glücksfall für den Film "Drive". Am 20. Mai 2011 hatte der Film seine Weltpremiere bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes und wurde als Independent-Film mit großem Lob bedacht.

Für den namenlosen Fahrer (Ryan Gosling) ist das Auto ein zweites Zuhause. Tagsüber schraubt er in einer Werkstatt, hilft als Stuntman beim Film aus, doch nachts lässt er den dunklen Teil seiner Seele auf Wanderschaft gehen. Als Fluchtfahrer ist er ein absoluter Profi und kennt die Straßen, sowie das Polizeiverhalten besser als jeder andere in der Stadt. Dennoch verläuft sein Leben einsam, bis er die junge Mutter Irene (Carey Mulligan) und ihren Sohn Benicio (Kaden Leos) in der Nachbarschaft kennenlernt. Bei Ihnen findet der Eigenbrötler Zutrauen und entdeckt für sich eine bessere Zukunft. Doch als der Vater (Oscar Isaac) der Familie aus dem Gefängnis entlassen wird, muss er sich mit der Rolle als guter Freund abfinden. Darüber hinaus steckt der Ex-Knacki in großen Schwierigkeiten und schuldet der Mafia eine Menge Geld. Um ihm zu helfen, muss der Fahrer bei einem todsicheren Überfall all seine Qualitäten auffahren, ansonsten geht es der Familie an den Kragen. Doch das erbeutete Geld gehört ebenso der Mafia und steuert den Fahrer in eine schier ausweglose Situation.

Gleich in der ersten Szene des nächtlichen Überfalls wird einem bewusst: Hier wird subtil gearbeitet. Der namenlose Fahrer beherrscht seinen Wagen, wie andere ein Musikinstrument spielen würden, aggressiv, schnell aber auch behutsam und vorsichtig. Andere Fahrzeuge auf den Straßen wirken dagegen plump und schwerfällig. Damit schlüpft er praktisch in eine zweite Haut, die Straßen sind mehr als nur der Fluchtweg zwischen A und B, sie ermöglichen ihm seine persönliche Freiheit.
"Drive" ist eine ständige Überraschung und kennt keine kommerziellen Regeln. Ein Independent-Film hat natürlich mehr Freiheiten, dessen Auswirkung die Zuschauer immer polarisieren wird. Er experimentiert und erfindet Innovationen nicht auf Nummer sicher. Manche Gewaltszenen übertreten eiskalt das Genre zum blutigen Splatter, das mag aufstoßen oder gar sinnlos erscheinen, dennoch verschafft sich der Streifen damit Luft zum Atmen, dynamisch stark im Kontrast zu den ruhigen Szenen, die stark an die Straßenlandschaft und Kühle von "Heat" (Michael Mann) erinnern.
Zwischen den Gewitterwolken der Gewalt schafft es Nicolas Winding Refn ein immer wiederkehrendes Schweigen in seine Dramaturgie zu legen, teilweise unbehaglich, aber auch realistisch, wenn sich Menschen für einen Augenblick einfach nichts sagen haben. So wortkarg und weltfremd die Figur des "Drivers" angelegt ist, beschreibt auch der oscar-nominierte Drehbuchautor Hossein Amini die Atmosphäre, eher einem Gedicht ähnelnd; kurz, düster und unheilvoll.
Sein Drehbuch, nach der Romanvorlage von James Sallis, geht hierbei konform mit den Visionen des Regisseurs. In der Besetzung dieser kultträchtigen Figur mit dem Skorpion auf silberner Jacke, stark vergleichbar mit den einsamen Helden der 70er, besteht Ryan Gosling einen Vergleich mit Steve McQueen oder Clint Eastwood ohne Probleme. Sein minimalistisches und gefühlvolles Spiel lässt viel Platz für Zuschauerinterpretationen, trotz seiner undurchschaubaren Momente, wirkt sein Lächeln dazu im Vergleich ehrlicher als jeder Vertrag.
Höhepunkt ist zweifellos die Filmmusik. Elektro-Pop-Beats hämmern träumerisch durch die Nacht, versetzen Fahrer, Auto und auch den Zuschauer in ein grandioses Vibrieren. Nur selten schafft es ein Werk, seine Bilder derart im Einklang mit Musik in Szene zu setzten.
Damit ergattert sich "Drive" einen sicheren Platz in den Kultfilm-Analen, ob man jedes Stilmittel nun mag oder nicht.

Für einen echten Filmfan ist der Kinobesuch Pflicht.

War diese Kritik hilfreich?
42 von 57 Besuchern fanden diese Kritik hilfreich.
 
zelluloid - Navigationselement
WERBUNG
Kurz-Link zu dieser Seite: http://zel.lu/k6xM
foyer | charts | filmnews | kinostarts | kinoprogramm
kritiken | heimkino | directory | background
 
zelluloid.de • ©1998-2014 Denis Hoffmann & Alexander Jachmann
 
SitemapImpressuminfo@zelluloid.de
Hinweise zum DatenschutzNutzungsbedingungen