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Kritik von Benjamin Falk zu 'Blade Runner'

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Partner von Entania
Kritik von Benjamin Falk
veröffentlicht am 17.05.2017
85%
Man mag es kaum glauben, aber den Klassiker "Blade Runner" habe ich noch nie gesehen. Irgendwie fehlte mir immer ein wenig das Interesse daran. Dass es mal dazu kommen muss, war mir jedoch klar und so kam ich nun in den Genuss, mir dieses Werk zum ersten Mal anzusehen. In manchen Punkten ist der Film wirklich perfekt geworden.

Die Handlung spielt in Amerika im Jahre 2019. Die Welt ist ein schmutziger Haufen geworden, dunkel, überbevölkert und schlecht. Um ein besseres Leben auf fernen Planeten führen zu können, werden Replikanten hergestellt, die es erforschen sollen. Dies sind künstliche Menschen, die psychisch und physisch bessere Fähigkeiten besitzen, als normale Menschen. Damit sie nicht zur Bedrohung werden, können sie allerdings nur vier Jahre alt werden. Es ist ihnen auch verboten die Erde zu betreten. Doch als ein paar Replikanten der höchsten Stufe sich diesem Befehl verweigern und auf der Erde ihrem Treiben nachgehen, wird der Blade Runner Rick, ein spezieller Polizeibeamter, damit beauftragt diese zu beseitigen.
Das basiert auf einem Roman von Philip K. Dick, welchen ich nun nicht kenne, welcher allerdings gerade durch "Blade Runner" noch viel mehr Aufmerksamkeit bekam. Die Story war anders, als ich es erwartet habe, denn es gibt auf den ersten Blick gar nicht so viel Handlung. Es geht lediglich darum, dass ein Polizist Replikanten jagt. Erst auf den zweiten Blick hin wird klar, dass das Werk doch noch wesentlich mehr behandelt. Die Themenvielfalt ist enorm und auf mehreren Deutungsebenen möglich. Allerdings ist alleine die Grundthematik interessant genug, weil sie heutzutage eigentlich sogar noch an Aktualität gewinnt. "Blade Runner" ist somit ein Film, der eine sehr anspruchsvolle Seite besitzt und seine Dystopie gar nicht weiter erklärt. Man wird so in diese Welt hineingeschmissen und muss sich darin alleine zurecht finden. Das meiste Lob davon kann sich sicherlich die Vorlage einstecken, aber das Drehbuch wurde auch sehr passend geschrieben.

Ansonsten ist "Blade Runner" gerade visuell eine echte Wucht. Ridley Scott, der zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht viele Filme gedreht hatte, konnte mit dem Werk zwar keinen finanziellen Erfolg feiern, prägte aber gleich mal den Cyberpunk mit und spätestens einige Jahre später brachte es der Film auch mehr und mehr zum Kult. Das ist nur berechtigt, denn aus handwerklicher Sicht ist "Blade Runner" ein Meisterwerk. Das ist so toll komponiert von den Bildern her, dass es Spaß macht, sich das anzuschauen. Die Zukunft wurde toll dargestellt und jede einzelne Szene ist optisch eine Wucht. Dazu kommt der wunderbare Soundtrack von Vangelis. Wie hier Bild und Musik eine harmonische Verbindung eingehen, ist einfach wunderschön. Eine Bild- und Soundgewalt! Leider ist "Blade Runner" ein Film, den es in unnötig vielen Fassungen gibt. Will man sich ein Werk einfach nur ansehen und genießen, wird es einem da unnötig kompliziert gemacht, die beste Fassung herauszufinden. Ich habe mir den Final Cut angesehen, der wohl die Wunschversion von Scott darstellt. Diese Version wurde optisch noch etwas aufgehübscht und besitzt einen besseren Sound. Es gibt aber nicht viele neue Szenen und man hat auch darauf verzichtet, all zu viel CGI-Mist einzubauen, was echt löblich ist. Für mich eine starke Fassung!
Die Atmosphäre ist auch sehr gelungen. "Blade Runner" ist ein echt düsterer Film, der eigentlich gar keinen Humor besitzt. Es ist ein Science-Fiction-Film, aber kein Space-Abenteuer, sondern eine ernste Dystopie, die sich mit intelligenten Fragen auseinandersetzt und deshalb auch eine gewisse emotionale Dichte aufkommen lässt, selbst wenn das alles sehr kühl wirkt. Nicht unbedingt etwas, was viel Spaß macht, aber schon etwas, was in den Bann ziehen kann.

Die Darsteller spielen da eigentlich nur die zweite Geige, weil ja Inszenierung und Soundtrack die Hauptrolle übernehmen. Trotzdem wird "Blade Runner" ordentlich gespielt. Harrison Ford ist in seiner recht wortkargen Rolle auf jeden Fall gut, aber Rutger Hauer hat mich fast umgehauen. Der Mann spielt hier ja echt mal grandios. Daneben gibt es noch ein paar weitere Rollen, welche allesamt nicht besonders groß ausfallen, aber trotzdem agiert jeder souverän.
Die Figurenzeichnung ist gut gelungen, denn sie ist interessant. Das geschieht gar nicht mal, weil sie so ausgeprägt ist, sondern weil sie sich auf etwas anderem Wege mit den Charakteren beschäftigt. Das beste Beispiel hierfür ist Roy, der ja eigentlich den Bösewicht verkörpert, aber einen ganz und gar untypischen. Das ist so anders und unkonventionell, dass es zwangsläufig markant wirkt und deshalb sicherlich auch längere Zeit im Gedächtnis bleiben wird.

Der Unterhaltungswert ist gut bis sehr gut, wobei ich wirklich sagen muss, dass mich die erste Hälfte ab und zu noch etwas ratlos hinterlassen hat. Ich habe einfach mit einem actionlastigeren Werk gerechnet, doch eine Szene folgt der nächsten und meistens bleibt es dabei ziemlich ruhig. Langweilig wird es auch hier nicht, denn dafür ist das zu gut gemacht, doch "Blade Runner" ist definitiv ein Film, der sich erst entwickeln muss. Da er dies tut, gibt es keinerlei Grund zur Klage. Es wird immer packender und in der zweiten Hälfte hatte mich das Werk vollkommen für sich gewonnen. Das gipfelt in einem starken Finale, in dem dann auch noch Spannung und Action aufkommen. Die knapp zwei Stunden Laufzeit der Final Cut Version vergingen für mich so jedenfalls relativ kurzweilig. Ein paar kleinere Längen habe ich aufgrund der starken Machart gerne hingenommen.
Ganz harmlos ist der Streifen dabei auch nicht. Nicht in jeder Version sind die Gewaltszenen enthalten und sie sind ganz sicher auch nicht zwangsläufig notwendig für den Filmspaß, aber die blutigen Momente haben mir dennoch gut gefallen. Die Effekte sind allesamt sehr gut gelungen und das bezieht sich auf die gesamte Optik des Filmes.

Fazit: "Blade Runner" ist schon ein starkes Stück Film, welches gerade mit seiner visuellen Umsetzung Maßstäbe setzen konnte. Der Film sieht einfach perfekt aus. Gerade die Kombination aus den Bildern und dem echt tollen Soundtrack von Vangelis sorgt für ein handwerkliches Meisterwerk. Die Handlung kann da nicht mithalten. Sie wirkt anfangs doch sehr dünn, kann jedoch wachsen und behandelt interessante Themen, die intelligent verpackt wurden. Die Darsteller können da ebenfalls nicht mithalten, denn sie spielen nicht die Hauptrolle, doch Ford spielt gut und Hauer spielt genial. Besonders gefallen hat mir auch die Figurenzeichnung, denn gerade der Bösewicht ist so herrlich untypisch gestaltet, dass es Spaß macht. Die Atmosphäre bedient den Science-Fiction-Film in einer sehr düsteren Art und Weise, weshalb "Blade Runner" auch kein Werk ist, welches viel Spaß macht, aber das muss gar nicht sein. Auch kleinere Längen in der ersten Hälfte stören nicht sonderlich, weil dieses Werk wirklich wachsen muss. Man bekommt tolle Dialoge zu hören und kann sich alleine von den Bildern berauschen lassen. Eine kleine Portion derbe Gewalt rundet das ideal ab. Für mich ist "Blade Runner" zwar kein Film, dem ich eine Höchstwertung geben würde, aber er ist trotzdem enorm stark gemacht!

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