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Kritik von Philipp Stroh zu 'Invictus - Unbezwungen'

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Partner von Entania
Kritik von Philipp Stroh
veröffentlicht am 17.02.2010
70%
Biopic ist der englische Begriff für eine Filmbiografie, die aus dem Leben einer Person erzählt, die tatsächlich lebt oder gelebt hat.
Selber schuld, wer bei "Incivtus" das Nelson Mandela Biopic erwartet. Dergleichen hat Regisseur und Produzent Clint Eastwood bestimmt keinem versprochen. Schon das Filmplakat klärt bei vernünftiger Betrachtung die Verhältnisse korrekt, statt falsche Hoffnungen zu wecken: "Invictus" ist die Ruhmesgeschichte einer Sportmannschaft, die als wichtiges politisches Symbol dient und unter dem Stern Nelson Mandelas steht, der mit Leidenschaft als Glücksschmied diente, um seine Botschaft des Friedens in der Welt zu verankern.

Damit vermischt Eastwood verschiedene Komponenten miteinander, wodurch die Geschichte weniger in die Tiefe geht als seine vorigen Werke "Mystic River", "Million Dollar Baby" oder "Gran Torino". Biografie trifft auf Politdrama trifft auf Sportfilm. Das ist ungewöhnlich, aber funktioniert, nur gibt es so kein Hauptthema, das der Regisseur sorgfältig intensivieren kann. "Invictus" ist ein Durchschnitts-2000er-Eastwood, was immer noch heißt, dass es ein guter Film ist. Der Regisseur erzählt die Geschichte erneut nach dem Motto "In der Ruhe liegt die Kraft", was glücklicherweise allein schon wegen dem verhältnismäßig fremden und damit interessanten Setting nicht lahm zu werden droht.

Letztendlich zeigt Eastwood uns einfach nur, wenn auch weit ausgeholt und mit bedeutungsvollem Hintergrund, "Das Wunder von Südafrika"; Südafrika - ein Sommermärchen. Eigentlich recht naiv, würde man sagen, wäre es nicht wirklich passiert. Der Film basiert auf einem Roman, welcher wiederum die realen Ereignisse nach Mandelas Entlassung aus seiner langjährigen Gefangenschaft schildert. Man muss dabei einfach nur akzeptieren, dass die Handlung sich auf einen ganz bestimmten Teil von Mandelas Lebensgeschichte konzentriert.

Getragen wird "Invictus" natürlich ganz besonders von den Hauptdarstellern. Morgan Freeman ("The Dark Night", "Wanted", "10 Items or Less") spielt hier eine seiner wenigen Rollen, in denen er nicht unterfordert wirkt. Er ist aus der Garde der hollywoodschen Charakterdarsteller die perfekte und einzig denkbare Besetzung für die Rolle des Nelson Mandela. Seine Fähigkeiten lassen sich am deutlichsten in seinem antrainierten Südafrika-Akzent erkennen, weshalb wohl nur die Originalfassung hinreichend offenbart, wie Freeman sich seine fünfte Oscarnominierung ergatterte. Der zweite Hauptdarsteller Matt Damon überzeugt im Schatten Freemans als hingebungsvoller Sportsmann. Neben diesen beiden Stars sorgen gleichzeitig die vielen unverbrauchten Gesichter für eine gelungene Atmosphäre.

"Invictus" ist ein politischer Film und hilft sich im Finale dennoch mit simplen, um nicht zu sagen klischeehaften Mitteln zur Erzeugung von Spannung und Emotion, wie man sie eben aus Filmen, die als Finale das Endspiel eines Turniers haben, kennt. Für Eastwood bedeutet das exzessiven Einsatz von Zeitlupen. Doch es bleibt im annehmbaren Bereich. Letztendlich darf man dem Film eine große Warmherzigkeit zugestehen, die den Kitsch noch zu umgehen weiß. Es ist ein schöner Film. Für Eastwood-Verhältnisse ein kleiner Film, dank der nicht direkt politischen Komponenten, die eine bedeutungsschwangere Erscheinung der Geschichte abmildern und zugunsten des Zuschauers Unterhaltung schaffen. Keine tiefgehende Studie also, dafür ein netter, gut gemachter Genremix.

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