"Strange Days" hat mich schon lange mal interessiert, aber ich bin nie dazu gekommen, ihn mir anzusehen. Nun habe ich das aber mal gemacht und meine Erwartungen waren eigentlich von Anfang an recht hoch. Und ich wurde keineswegs enttäuscht, denn das Werk ist wirklich sehr gut.
Wir schreiben das Jahr 1999. Nur noch wenige Tage bis zum Millenium. In den Straßen von Los Angeles herrscht Krieg, es ist eine finstere Zeit. Lenny Nero kann sich aber nicht beklagen, denn ihm geht es gut. Einst war er ein Cop, nun verkauft eine spezielle Hardware. Das FBI hat vor einiger Zeit eine spezielle Gerätschaft entwickelt, mit der man seine Erlebnisse auf eine CD schreiben kann. Wer sich das Material ansieht, empfindet genau so, wie die Person empfunden hat, als sie es aufgenommen hat. Irgendwann kam diese Gerätschaft auf den Schwarzmarkt und genau damit handelt Lenny. Aber auch in seinem Privatleben sieht er sich Erinnerungen an, die er damals mit seiner Ex-Freundin hatte. Plötzlich meldet sich eine alte Freundin, die meint, sie müsse Lenny dringend sprechen. Kurz darauf bekommt Lenny eine Erinnerung zugespielt auf der man sieht, wie diese alte Freundin vergewaltigt und ermordet wurde. Lenny ahnt sofort, dass dies irgendetwas mit der Sache zu tun haben muss, die sie ihm mitteilen wollte. Als er herausbekommt was Sache ist, scheinen die Konsequenzen riesig.
Das Drehbuch, welches Kathryn Bigelow mit James Cameron zusammen verfasste, hat mir wirklich sehr gefallen. Das Thema um die aufgenommenen Erinnerungen ist sicherlich nicht neu und sehr beliebt im Sciene-Fiction-Genre. Außerdem ist dieses Thema auch sehr interessant, denn heutzutage scheint es gar nicht mehr so weit hergeholt, dass dies möglich ist. Allerdings dreht es sich hier nicht ausschließlich darum, denn zusätzlich hat man auch noch eine richtige Geschichte zu erzählen, welche interessant und spannend ist und zum Ende hin noch ein paar kleine Wendungen bietet. Dazu gesellt sich noch eine gute Portion Sozialkritik. Das alles macht die Handlung wirklich sehr gut.
Die Darsteller können ebenfalls absolut überzeugen. Allen voran muss man hier Ralph Fiennes nennen, denn er trägt diesen Film. Fiennes gibt eine wirklich starke, hingebungsvolle Leistung von sich, die mir sehr gefallen hat. Aber auch die vielen Nebenrollen sind ordentlich besetzt. Da wäre Angela Bassett, die sehr gut spielt, Juliette Lewis, die mit vollem Körpereinsatz dabei ist und Tom Sizemore, den ich immer gerne sehe. Auch alle anderen, nicht genannten Darsteller machen ihre Sache sehr ordentlich.
Die Figurenzeichnung ist eine weitere Stärke des Filmes, denn "Strange Days" interessiert sich für seine Charaktere und somit ist hier niemand belanglos und jeder wichtig für das Geschehen. Man hat hier ein paar sehr undurchsichtige Charaktere geschaffen und viele waren mir auch absolut sympathisch. Daran kann sich so manch ein Film ein Beispiel nehmen.
Die Inszenierung weiß zu gefallen und allgemein ist Bigelow eine gute Regisseurin. Die Filme, die ich bisher von ihr gesehen habe, haben mir immer gefallen. Hier kreiert sie eine wirklich düstere Utopie der Zukunft. Alleine die Bilder der Straßen haben es in sich. Die Erinnerungen sind ordentlich umgesetzt und allgemein gibt es handwerklich überhaupt nichts zu bemängeln.
Die Atmosphäre ist sehr vielseitig. Da sich alles zum Millenium abspielt und durch die Bilder der düsteren Straßen entsteht eine apokalyptische Atmosphäre. Es geht recht pessimistisch und finster zur Sache. "Strange Days" ist natürlich Sciene Fiction, bietet aber auch Action, Thriller und eine kleine Love-Story. Es geht von ernst bis zu locker, manche Szenen sind auch amüsant und so ist für Abwechslung definitiv gesorgt.
Der Unterhaltungswert kann überzeugen. Mit 140 Minuten ist der Film keineswegs kurz geraten und man lässt sich hier auch Zeit die Charaktere einzuführen. Die eigentliche Handlung beginnt erst nach etwa einer Stunde, aber zuvor wird es keineswegs langweilig, denn es ist immer etwas los und es macht Spaß in diese Utopie gezogen zu werden. Es gibt ein paar sehr spannende Szenen und auch für Action wird ab und zu gesorgt. Ich kann nicht behaupten, dass die Laufzeit sehr kurzweilig verging, aber gelangweilt habe ich mich nie.
Besonders viele Effekte gibt es eigentlich nicht, man erreicht hier auch mit relativ simplen Mitteln viel, aber ein paar Effekte gibt es natürlich trotzdem zu sehen und diese können überzeugen. Ganz harmlos geht es auch nicht zur Sache und etwas Blut darf fließen.
Der Score ist sehr vielseitig, hat bestens gepasst und mir sehr gut gefallen.
Fazit: "Strange Days" entwirft eine düstere Utopie, die unserer momentanen Welt gar nicht so fern ist, wie man das glauben möchte. Die Handlung ist auf jeden Fall stark, denn das Thema ist interessant und das Drehbuch wurde gut geschrieben. Die Darsteller spielen allesamt sehr gut, die Figurenzeichnung ist auch ziemlich anständig geraten und die Inszenierung ist auf jeden Fall erhaben. Die Atmosphäre ist vielseitig und der Unterhaltungswert ziemlich hoch. Alles in einem ist "Strange Days" also ein wirklich gelungener Film, der Freunden einer Mischung aus Science Fiction und Actionthriller eigentlich gefallen müsste!