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Kritik von Benjamin Falk zu 'Walker'

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Partner von Entania
Kritik von Benjamin Falk
veröffentlicht am 11.08.2017
50%
"Walker" machte auf mich einen interessanten Eindruck, aber wenn man etwas mehr über den Film liest, bemerkt man schnell, dass es sich hier um pure Geschmackssache handeln wird. Während manche das Werk für seine unkonventionelle Art loben, empfinden andere das als völlig misslungen. Ich stehe irgendwo dazwischen, denn an sich besitzt "Walker" gute Seiten, aber irgendwie habe ich seinen Sinn nicht so richtig verstanden.

Erzählt wird die Geschichte von William Walker, einem amerikanischen Tausendsassa, der Mitte des 19. Jahrhunderts wirklich gelebt hat. "Walker" schmückt sich hier auch damit, dass das Geschehen auf wahren Begebenheiten basiert, was sicherlich stark angezweifelt werden darf. Nun gut, manche Personen gab es halt wirklich und der Film nimmt sich diese als Vorbild, der Rest dürfte dann aber doch überwiegend frei erfunden sein. Walker wird jedenfalls damit beauftragt einen Staatsstreich in Nicaragua zu veranlassen, wodurch er zum Präsidenten wird. Doch zahlreiche Fehlentscheidungen führen zum Untergang von Walker.
Das ist schon ein recht politischer Film und es wäre sicherlich von Vorteil die historischen Hintergründe zu wissen, aber da ich mich dafür nicht so sehr interessiere, musste es auch so gehen. Ein paar Dinge sind klar erkennbar, für manche benötigt man sicherlich Hintergrundwissen, aber so oder so macht das Drehbuch einen recht durchwachsenen Eindruck, kann sich kaum entscheiden, in was für eine Richtung es gehen will. Zumindest ist die Geschichte ungewöhnlich, prangert mal mehr, mal weniger gelungen an. Manche Kritik ist offensichtlich und plakativ, manche aber sogar anspruchsvoll versteckt. Ob man mit der Handlung etwas anfangen kann, wird also von Zuschauer zu Zuschauer unterschiedlich sein. Mir hat es persönlich eher weniger gefallen.

Das liegt allerdings auch an der völlig durchwachsenen Atmosphäre, die ich irgendwie nicht so richtig kapiert habe. Erst tut "Walker" so, als wolle er ein ernster, anprangender Film sein, der sich selbst ernst nimmt und somit durchaus schwere Kost verbreiten möchte, nur um in der nächsten Szene wieder den völligen Gegensatz zu offenbaren. Da wird es dann plötzlich heiter, amüsant, ja sogar albern und fast schon vulgär. An sich habe ich ja nichts gegen solche Gegensätze und der Humor soll in dem Film wohl sarkastisch und schwarz sein, dennoch beißen sich beide Stilrichtungen so sehr, dass es für mich kein Sehgenuss ergab. Nimmt man die ernsten Hintergründe und sieht man sich die unpassenden Szenen an, dann muss man einfach sagen, dass die Mischung misslungen ist. Auch dies wird sicher jeder anders sehen, doch mich persönlich konnte die Stimmung so gar nicht erreichen.

Regisseur Alex Cox, der damals gerade dabei war sich einen erfolgreichen Namen aufzubauen, landete mit "Walker" einen totalen Flop, weshalb er danach nur noch kleinere Filme drehte. Schade ist es ja, verständlich aber auch, denn das Werk passt nun wirklich nicht zu konventionellen Sehgewohnheiten. Dabei ist das handwerklich durchaus ambitioniert gemacht. Der alte Stoff wird modern aufgearbeitet, mit teilweise schnellen Schnitten, optisch sehr hochwertig und auch mit dem gewissen Aufwand umgesetzt. Harmlos geht es dabei gewiss nicht zur Sache, sondern es fließt viel Blut, weshalb die Freigabe ab 18 Jahren verständlich ist. Die Inszenierung ist zwar ebenfalls durchwachsen, hat mir aber ganz gut gefallen. So wie auch die Genremischung, die sich irgendwo zwischen Western, Abenteuerfilm und Kriegsfilm befindet. Leider sorgt selbst diese Vielseitigkeit nicht unbedingt für Kurzweil, denn Spannung will hier gar nicht aufkommen und man hangelt sich eigentlich nur von einer Szene zur nächsten, ohne dass das Geschehen ein rundes Gesamtbild ergeben kann.

Das liegt vor allen Dingen an einer Figurenzeichnung, die in meinen Augen überhaupt nicht funktioniert. William Walker stellt man sicherlich absichtlich so sperrig dar, aber man hat mir diesen Charakter nicht näher bringen können. Emotional ist das viel zu distanziert, um irgendwelche Regungen entstehen zu lassen, weshalb es mir auch völlig egal war, was mit den Figuren nun geschieht. Zusätzlich sind manche Personen auch noch unnötig doof oder schräg. Das ist zwar markant, aber keineswegs passend. Immerhin kann Ed Harris den Streifen mit seinem Talent noch etwas aufwerten, denn er spielt den kalten Walker eindringlich und sorgt noch am ehesten dafür, dass ich etwas mit dem Kerl anfangen konnte.

Fazit: "Walker" ist also schon ein echt merkwürdiger Film, der den manchen gut gefallen wird und den anderen eben nicht. Ist auch völlig okay so und beide Seiten kann ich verstehen. Positiv ist hier auf jeden Fall die etwas andere Handlung und die unkonventionelle Machart kann ebenfalls etwas länger in Erinnerung bleiben. Außerdem zaubert die Inszenierung schon einige stylishe Bilder hervor und Ed Harris kann in der Hauptrolle vollkommen überzeugen. Negativ ist insgesamt aber das Drehbuch, welches sehr durchwachsen erscheint und eine Atmosphäre erzeugt, die sich so gar nicht entscheiden kann. Mal geht es ernst und düster zur Sache, dann wieder nahezu albern und manche Szenen empfand ich eher als peinlich. Da die Figurenzeichnung zusätzlich überhaupt nicht funktioniert, ließ mich der gesamte Streifen kalt, was in einem eher schlechten Unterhaltungswert resultiert. Da hilft auch viel Blut nichts mehr. Bei Interesse muss man sich von "Walker" aber definitiv selbst ein Bild machen!

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